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Das Kirchenjahr

Foto: Boris Rostami

Wozu brauchen wir noch ein Kirchenjahr, wenn wir doch das Kalenderjahr haben? In seiner ursprünglichen Funktion sollte die Struktur des Kirchenjahres helfen, die christlichen Feste in einen geregelten Ablauf zu bringen und damit Gottesdienstpraxis und Liturgie festzulegen. Aber das ist es nicht allein: Wir meinen, dass sich in den Festtagen und Perioden des Kirchenjahres existenzielle Erfahrungen und Weisheiten widerspiegeln, die zu einem bewussteren und intensiveren Leben führen können.

Das Kirchenjahr beginnt mit der Adventszeit – einer Zeit der Erwartung: Sie beschreibt den Menschen in seiner Gebrochenheit und Unvollkommenheit, der auf das »Mehr« im Leben hofft. Dieses »Mehr« zeigt sich an Weihnachten. In unseren Alltag bricht das Besondere hinein, die »Freude, die allem Volk widerfahren wird«, wie es die Bibel sagt. Das Göttliche wird für uns erfahrbar. Dieses Ereignis verändert uns – in der Fastenzeit steht genau diese Wandlung im Mittelpunkt. Wir besinnen uns darauf, was wir wirklich sind und was uns im Leben wichtig ist. Der selbstgewählte Verzicht macht uns sensibler für die Bedürfnisse anderer Menschen. Wir ordnen unsere Prioritäten. Das alte Ich stirbt (Karfreitag), eine neue Identität wird offenbar – Ostern.

Dem uns antreibenden, inspirierenden und tröstenden Geist gedenken wir 50 Tage nach Ostern an Pfingsten: ein Fest der Freude und der Gemeinschaft. Die Urlaubszeit zählen wir von Andere Zeiten auch zum Kirchenjahr, weil sie der göttlichen Empfehlung entspricht, ein Siebtel der Arbeitszeit der Ruhe und Erholung zu widmen (2. Mose 23,10f.). Nach dem Sommer kommt der Herbst mit seiner Melancholie. Im Kirchenjahr sprechen wir dann von der Stillen Zeit, die sich vom Erntedankfest bis zum letzten Sonntag vor Advent, dem Ewigkeitssonntag, spannt. Das Bewusstsein unserer Vergänglichkeit, Abschied, Schuld und Vergebung, aber auch Dankbarkeit finden an diesen Tagen ihren religiösen Ausdruck. Im katholischen Kirchenjahr heißt der letzte Sonntag Christ-König-Sonntag: Er unterstreicht, dass Jesus Christus das Zentrum aller christlichen Feste ist und dass auch alle Gedenktage für die Heiligen auf diese Mitte des Glaubens hinweisen.

In unserer Zeitansage auf der Startseite finden Sie immer weitergehende Infos zu dem jeweiligen Tag und zu dem nächsten anstehenden Kirchenjahresfest. Eine grafische Darstellung des Kirchenjahres finden Sie hier für die protestantische Interpretation und hier für die – sich geringfügig unterscheidende – katholische Tradition.