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Pfingsten

Die biblische Pfingstgeschichte berichtet von dem Geburtstag der Kirche und zeigt: Jesu Handeln und Reden kommt bei unterschiedlichen Menschen an; es begeistert, schafft Gemeinschaft und setzt in Bewegung. Christen und Christinnen führen diese erstaunliche Wirkung auf die schöpferische Kraft des Heiligen Geistes zurück. Gottes Geist, den sich viele weiblich denken (das hebräisch Wort »ruach« ist weiblich), wird in der Bibel als dynamisch geschildert: Er ist belebend wie der Hauch des Atems, kraftvoll wie der Sturm, verzehrend wie das Feuer.

Er zeigt sich in Momenten menschlicher Kommunikation oder in Texten, die zunächst nichts als eine Ansammlung toter Buchstaben sind. So kann man den 23. Psalm (»Der Herr ist mein Hirte«) 100 Mal lesen und hören, ohne dass er einen berührt. Und plötzlich, beim 101. Mail, begreift man: Ich bin gemeint. Das ist ein Moment von »Geistesgegenwart«. Wenn der Heilige Geist schöpferisch wird, wenn Gott in Aktion tritt, wird das Wort verstanden, ergreift und verwandelt es seine Hörer. Aber diese dolmetschende Funktion des Geistes lässt sich nicht organisieren, er weht wo er will und kann nur erbeten werden: »Veni creator spiritus!«, »Komm Schöpfer Heiliger Geist!«