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Stille Zeit

Draußen welken die Blätter, Regentropfen laufen die Fensterscheiben hinunter: Nach dem Sommer kommt der Herbst mit seiner Melancholie. Da trübt sich auch die Stimmung ein. Wo ist die schöne Zeit geblieben? Der Abschied schmerzt. Die Welt versinkt in Moll.

Im Kirchenjahr sprechen wir jetzt von der Stillen Zeit. Sie spannt einen Bogen vom Erntedankfest Anfang Oktober über Allerheiligen und Allerseelen bis zum letzten Sonntag vor Advent, dem Ewigkeitssonntag beziehungsweise Christ-König-Sonntag Ende November. Es ist das Ende des Kirchenjahres und die Zeit, in der dankbar zurückgeblickt und der Verstorbenen gedacht wird. Auch der Buß- und Bettag gehört in diese Reihe. Das Bewusstsein unserer Vergänglichkeit, Abschied, Schuld und Vergebung finden an diesen Tagen ihren religiösen Ausdruck. Es geht um das, was bedrängt und bedrückt. Aber die Feiertage bringen auch das zu Bewusstsein, was gut und heilsam ist. Neben dem Abschied und Bitte um Vergebung geht es auch um die Sehnsucht nach einem neuen Anfang und nach einer Umkehr zu Gott – denn das bedeutet das Wort »Buße«.

So ist im Ende zugleich ein neuer Anfang beschlossen. In einem alten Kirchenlied heißt es: »Die Abendröte zeigt / den schönen Tag von weitem, / davor das Dunkle weicht.«