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Trinitatiszeit

Beinahe ein halbes Jahr dauert die Trinitatiszeit im evangelischen Kirchenjahr. Sie reicht vom Dreieinigkeitsfest am ersten Sonntag nach Pfingsten bis zum Ewigkeitssonntag, dem letzten Sonntag vor dem ersten Advent. Böse Zungen sprechen von einer »Sauregurkenzeit« – nicht nur wegen ihrer liturgischen Farbe: Grün. Scheinbar kennzeichnet nichts Besonderes diese Kirchenjahreszeit: kein Warten auf die Ankunft des Retters wie im Advent, kein Insichgehen und Verzichten wie in der Fastenzeit. Nur gegen Ende wird sie von kleineren Festen wie Erntedank, dem Reformationstag oder dem Buß- und Bettag unterbrochen. Katholische Christen haben gar keine besondere Bezeichnung für diese Zeit, bei ihnen heißt sie schlicht »Zeit im Jahreskreis«. Warum aber belegt die evangelische Kirche diesen wenig geprägten Zeitraum mit dem Begriff »Trinitatis« – »Dreieinigkeit«?

Am Sonntag Trinitatis, eine Woche nach Pfingsten, schließt sich der Kreis des christlichen Gottesbildes, das in den Wochen davor in einzelnen Aspekten beleuchtet worden ist. Jesu Christi Leiden und Auferstehung und die Erfahrung des Heiligen Geistes standen an Ostern und Pfingsten im Mittelpunkt. An Trinitatis und in der Zeit danach geht es dagegen ums Ganze: um den dreieinigen Gott, der als Vater, Sohn und Geist wirksam ist. Für diese Vielfalt ist ein einzelner Sonntag zu wenig. Es braucht Zeit, sich im Alltag darauf einzulassen. Deswegen steht der größte Teil des Kirchenjahrs unter dem Namen der Dreieinigkeit – dem Kennzeichen des christlichen Glaubens: dem einen Gott, der auf vielfältige Weise den Menschen begegnet.