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Mein Sonntag

Sonntagnachmittag! Das ist die perfekte Zeit für Kaffee und Kuchen. Herrlich! Ich liebe den gemütlichen Sonntagskaffee. Und noch mehr zelebriere ich ihn, seit ich faste. Kaffee und Süßigkeiten inklusive Kuchen stehen auf meiner Verzichtsliste. Doch die Sonntage sind für mich fasten-frei. Damit steh ich nicht alleine da, und es ist auch keine Ausrede. In der kirchlichen Tradition sind die Sonntage ganz bewusst vom Fasten ausgenommen. Sie sollen schon einen Vorgeschmack auf Ostern geben. Also genieße ich heute einen liebevoll zubereiteten Milchkaffee und ein Stück Kuchen. Es ist ein Hochgenuss und motiviert mich zum Durchhalten. Ein Fastenbrechen, wie es schöner nicht sein könnte.

Aber ich muss gestehen, dass ich auch das andere Fastenbrechen kenne. Das Scheitern, das Gegen-den-eigentlichen-Willen-handeln. Es passierte am vergangenen Dienstag. Das Töchterchen quengelte, der Schreibtisch lag voller Arbeit. Ich war genervt, gestresst, angeschlagen und völlig k.o. Dann habe ich mir eine Tasse Kaffee gekocht und mir was Süßes reingezogen. Extra süß. Eine große Portion Nervennahrung, redete ich mir ein. Es schmeckte nicht. Es war viel zu süß. Und ich hatte tierische Bauchschmerzen danach.

Es hat nicht funktioniert. Es hat mich nicht getröstet, nicht gestärkt, nicht belohnt – und es hat sich nicht gelohnt, dafür mein Fasten zu brechen. Das war mir hinterher völlig klar. Abends habe ich einen langen Spaziergang in der klaren Luft gemacht, das tat gut. Und danach war die neue Erkenntnis stärker als der Ärger.

Heute am Sonntag war die Freude über meinen Sonntagskaffee mit Marmorkuchen riesig. Ich war eingeladen, es war eine gesellige Runde, ich fühlte mich erholt und gestärkt. Am Abend habe ich beide Kuchen-Situationen dieser Woche noch einmal Revue passieren lassen. Und mir ist bewusst geworden: Alles kommt zu seiner Zeit. Kuchen am Sonntag. Und Ostern nach dem Fasten. Ich freue mich auf die nächste Fastenwoche.

Kirsten Westhuis