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Mein Sonntag

Wir fuhren diesmal mit gemischten Gefühlen in den Urlaub. Zum neunten Mal hintereinander an den gleichen Ort, in die gleiche Wohnung, gerade mal 150 Kilometer von zu Hause entfernt. In den Wochen zuvor streute meine Frau beim Abendessen immer mal wieder Sätze ein wie: »Hast Du schon gehört, die Ellermanns fahren in diesem Jahr auch nach Portugal.« – »Die Christensens schwärmen so von Bornholm. Das wäre doch auch mal was für uns.« – »Erst zwei Wochen Sylt, dann vier Wochen Italien, so machen es die Lambergers.« Wenn wir schon weiter wegfahren, so argumentierte ich von einer immer schwächer werdenden Position, dann sollte es schon etwas ganz Neues sein. Südamerika zum Beispiel. Oder Australien. Oder Kanada. »Aber dafür muss die Kleine noch etwas älter werden«, sagte ich. Letztlich war es dann unsere Tochter, die mit Ihrem kurzen Plädoyer den Ausschlag gab: »Ich will wieder nach St. Peter!«

Und so saßen wir also in unserem Auto und fuhren bei strömendem Regen Richtung Nordsee. Aus dem CD-Player tönten Seemannslieder, die wir aus voller Kehle mitsangen. Kurz hinter dem Eidersperrwerk riss der Himmel auf und die norddeutsche Küstenlandschaft glitzerte im Sonnenschein. Dieses Licht begleitete uns durch die nächsten drei Wochen. Wenn auch nicht immer am Himmel, so doch im Herzen. Altbekanntes entdeckten wir neu. Wir akzeptierten endlich, dass der Tag entspannter ist, wenn man ihn nicht voll verplant angeht. Wir gestanden uns ein, dass wir eigentlich gar keine Strandbewohner sind, weder Strandkorb noch -muschel brauchen. Unsere Tochter entdeckte, das Fahrradfahren doch cooler ist als Rollern, was unseren täglichen Aktionsradius deutlich erweiterte.

Als wir am Sonntag nach drei entspannten Wochen wieder zurückfuhren, schmiedeten wir Pläne fürs nächste Jahr. Wir einigten uns auf Bornholm. »Aber danach noch eine Woche St. Peter«, sagte ich. Beide Frauen nickten.

Frank Hofmann