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Mein Sonntag

Was muss das für ein schönes Gefühl sein: wie ein Kind mit kribbelndem Bauch den Korb in die Hand zu nehmen und zu wissen: Ich werde diesen Korb füllen. Ich werde etwas finden. Ich weiß noch nicht, was und wo. Aber ich werde etwas finden. Natürlich verstärkte sich diese Sicherheit damals noch, als der Osterhase aus dem Kinderglauben verschwunden war. Denn da war klar: natürlich haben die Eltern etwas versteckt! Und ich werde es finden!

Ich vermisse dieses Gefühl. Suchen, ja das kenne ich. Den Haustürschlüssel. Das Buch aus der Bibliothek. Das perfekte Foto zu einem Text. Ähnlich war es auch mit meinem Mann – fast hatte ich die Hoffnung aufgegeben, den einen fürs Leben zu finden. Da lief er mir ganz zufällig über den Weg. Oder neulich, meine Computerbrille – drei Wochen lang habe ich die nicht nur gesucht, sondern vor allem sehr schmerzlich vermisst! Im Moment des Findens überwältigen die guten Gefühle mich dann fast: der innerliche und oft genug auch äußerliche Jubel. Die gute Laune. Die Zuversicht. Das trägt dann manchmal nicht nur durch ganze Tage (Computerbrille), sondern durch ganze Jahre (der Mann).  

Was wäre eigentlich – wenn ich Tag für Tag meinen gedanklichen Korb in die Hand nehme. Losgehe in dem Bewusstsein und mit der Sicherheit: Ich werde finden. Vielleicht ist Finden eine Frage der Haltung. Und dann ist der Ostersonntag genau der richtige Tag, der auch mir als Erwachsener  verspricht: Geh los! Vertraue wie ein Kind darauf, dass Dein Korb sich füllen wird. Denn für Dich sind versteckt: Glaube, Hoffnung, Liebe. Und Du wirst sie finden.

Iris Macke