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Mein Sonntag

Die deutsche evangelische Kirche in Paris

Die deutsche evangelische Christuskirche in Paris

Ostern war, aber ist noch nicht vorbei! Im Gegenteil. Die Osterfreude wirkt ja jetzt erst richtig nachhaltig und das soll sie auch: Die Zeit zwischen Ostern und Pfingsten heißt nicht umsonst die »österliche Freudenzeit«. Bei mir wirkt nichts nach. Dumm gelaufen… Ob´s am Wetter liegt, daran, dass es bei uns im Norden nach Ostern so richtig lausig kalt war und die Natur alles andere tut, als richtig Gas zu geben? Oder bin ich in diesem Jahr einfach nicht in der Lage, mich auf die Auferstehungsfreude einzulassen?

Dass Christus den Tod besiegt hat und alles neu macht, bleibt ein blasser, diffuser Gedanke in meinem Kopf. Die Hoffnung und Zuversicht, die dahintersteckt, will nicht so recht in mein Herz strömen. Wie gut, dass ich Urlaub habe und ein paar Tage mit meiner Familie in Paris verbringen kann. Aber – trotz ein paar Grad mehr – lässt sich zwischen Eiffelturm, Shopping, französischem Essen und Seinefahrt zwar ein wenig Ruhe, aber auch nicht wirklich Osterfreude finden.

Im Sonntagsgottesdienst in der deutschen evangelischen Gemeinde geht es um die Bedeutung der Taufe. Da kann man theologisch viel zu sagen – vom alten Adam, der ersäuft wird, und dem neuen Christus, den wir anziehen. Von Segen und Sakrament und von Aufnahme in die christliche Gemeinschaft. Die Worte prallen an mir ab. Immerhin gerate ich ins Nachdenken, was es für mich persönlich in meinem Alltag bedeutet, dass ich getauft bin. Als alle zum Altar kommen dürfen, um sich ein Wasserkreuz auf die Stirn zeichnen zu lassen, schlurfe auch ich nach vorn – eigentlich mehr, weil ich nicht die Einzige sein möchte, die in der Bank sitzen bleibt. Das Wasser auf meiner Stirn ist kühl, die Hand der Pastorin warm, ihre Stimme klingt weich, als sie mich segnet. Ihre Worte nehme ich nicht wahr – wohl aber etwas anderes: einen Funken Osterfreude in meinem Herzen.

Ulrike Berg