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Mein Sonntag

Kerzen beim Adventsgottesdienst in St. Gertrud

Ich hatte einen echten November hinter mir. Der Todestag meines Vaters, ein Bekannter war gestorben und eine enge Freundin plötzlich schwer erkrankt. Und dazu: der Alltag. Adventsnachmittage organisieren, Pressemitteilungen schreiben, Pausenbrote schmieren. Natürlich ist diese Zeit mit einer großen Familie hektisch! Trotzdem war da auch die leise Vorfreude – auf den hellen großen Stern, der jedes Jahr unsere Dorfkirche schmückt, auf die erwartungsvollen Kinder, auf das Zusammensein.

Und dann begann mein Advent mit unserem Andere Zeiten-Gottesdienst. 600 Menschen in einer reduziert beleuchteten Kirche. Die Glocken läuten den Sonntag ein, zehn Minuten lang. Wie still können 600 Menschen sein! Und wie gut es tut, einfach zu schweigen und den Glocken zu lauschen! Unter diesem Motto stand auch der Gottesdienst: langsamer – dunkler – stiller. Und je mehr wir sangen und beteten, desto mehr spürte ich, wie auch meine inneren Tonangeber Traurigkeit, Hektik und Vorfreude merklich leiser wurden. Manche Momente geben tiefe Kraft – einen durfte ich erleben, als wir sämtliche Beleuchtung in der Kirche gelöscht hatten und im Dunkeln sangen: »Fürchte Dich nicht!« Da wurde es spürbar: Mit dem Advent beginnt etwas Neues. Und wenn ich mich darauf einlasse, kann es eine Zeit des Erwartens, des Aufhörens, des Aufmerkens werden.

»Fürchte dich nicht. Denn die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon.« Ich wünsche mir, dass ich mir dieses Gefühl im Advent bewahren kann. Morgen werde ich meine kranke Freundin besuchen. Ich möchte ihr von dem Gottesdienst erzählen. 

Iris Macke