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Mein Sonntag

Eine Pfanne mit Cevapcici

(c) bernjuer/photocase.de

Das war sie nun also – die Fußball-WM! Aus und vorbei. Und irgendwie fühlte sie sich komisch an dieses Mal. Ganz anders als vor vier Jahren. »Ja, Kunststück«, werden Sie denken – »Ist ja klar, dass sich das besser anfühlt, wenn man Weltmeister wird.« So ein sportliches Ereignis macht viiiel mehr Spaß, wenn man mit einer Mannschaft mitfiebert oder anders ausgedrückt: Wenn man weiß, für wen man ist! Man erlebt so ein Turnier viel emotionaler und unmittelbarer, wenn man sich mit einer der Mannschaften identifiziert. Wenn man sich mitfreut, mitleidet, mitzittert! Mit dem Ausscheiden der Deutschen war die Leidenschaft raus.

Das sollte gestern, zum Endspiel, wenigstens noch ein Mal anders werden. Unsere mittlere Tochter ließ nämlich um 13.22 Uhr verlauten, dass sie heute ausnahmsweise mit uns das Spiel schauen würde. Dazu muss man wissen, dass sie sich null für Fußball interessiert und kein einziges WM-Spiel mit uns geschaut hat. Aber sie war diejenige, die schon weit vor der WM-Eröffnungsfeier völlig überzeugt davon war, dass Frankreich Weltmeister wird. Nun hatte sie recht behalten –und die Franzosen standen im Finale! Das war für uns andere, die wir die gesamte WM gebannt verfolgt und uns schon als Assistenten des Bundestrainers gesehen hatten, wie ein Schlag ins Gesicht. Sie grinste dann auch entsprechend breit und fügte gönnerhaft hinzu: »Ich mache auch Crepes für alle!«

Da war es genau 13.22 Uhr am Finalsonntag – und von dieser Minute an war ich für Kroatien. Von ganzem Herzen! Bedingungslos! Ich googelte zur Vorbereitung sogar noch schnell die Namen aller Spieler (einige kannte ich natürlich) und ihre Vereine sowie »kroatische Küche – Spezialitäten«. Und da ich zum Glück immer ausreichend Hackfleisch in der Tiefkühltruhe habe, war recht schnell klar, was ich zum gemeinsamen Fußballgucken beisteuern würde.

So richtig ab ging es im Berg´schen Wohnzimmer ab der 18. Minute: Griezmanns Schwalbe, die zum (unverdienten) Freistoß und schließlich zum (auch noch unglücklichen Eigen-) Tor führte, ließ mein Herz nur noch mehr für die Kroaten schlagen – und zu meiner Freude zog ich auch noch meinen Mann und unseren Sohn mit auf die kroatische Seite. Wir aßen, lachten, maulten, spotteten, haderten und flachsten.

Am Ende hatten nicht nur »meine Kroaten« verloren, sondern ich auch noch eine Flasche Schampus, weil ich vor lauter Euphorie noch während des Spiels per WhatsApp mit einem Freund gewettet hatte, dass Kroatien Weltmeister würde, aber egal: Es war das erhoffte Fest geworden! Voller Emotionen und Leidenschaft. Als wären die Deutschen dabei gewesen...Das triumphierende Lächeln unserer Mittleren entschädigte am Ende natürlich für alles und überhaupt: Crepes schmecken gar nicht mal so schlecht.    

Ulrike Berg