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Mein Sonntag

Foto: https://www.facebook.com/gabenzaunhamburg/

Wer sonntags in die Hamburger Innenstadt fährt, bringt seinen Wochenendbesuch zum Bahnhof. Oder bummelt durch die menschenleeren Einkaufsstraßen. Oder – er hängt was an den Hamburger Gabenzaun. Seit Ende Januar ist der zum Ziel geworden für alle, die Kleidung, Nahrung oder Hygieneartikel direkt an Obdachlose spenden wollen. Menschen kommen und hängen ihre Sachspenden, wasserdicht verpackt in durchsichtige Plastikbeutel, an den Zaun, der sich direkt am Eingang zu den U-Bahnstationen am Hauptbahnhof befindet. Bedürftige können sich dann dort bedienen. Und das klappt: Täglich werden Dutzende Päckchen an den Zaun gehängt. Darin Duschgel, Schokolade, warme Jacken, Konserven, Decken, Skatkarten und Hundefutter. Wer die Tüten abpflückt, kontrolliert niemand. Nur Schilder bitten darum, den Sinn der Aktion zu respektieren: »Just for homeless people. Please respect!« Und dabei sollte der Zaun eigentlich einen ganz anderen Zweck erfüllen. Viele mutmaßen, er sei aufgestellt worden, um zu verhindern, dass Obdachlose dauerhaft auf der Mauer sitzen, auf der er angebracht ist. Ende Januar brachten die Initiatoren des Gabenzauns ein Schild daran an: »Lieber obdachloser Mensch … bitte nimm dir, was du dringend brauchst, vom Gabenzaun.« So wurde aus einer Absperrung ein Wallfahrtsort für Solidarität und Hilfe. Wer hinter der Aktion steckt, bleibt geheim. Es seien eine Handvoll Hamburger, die seit Jahren ehrenamtlich in der Obdachlosenhilfe arbeiten, so zitiert sie eine bundesweite Nachrichtensendung. Möglicherweise ist jedoch das Ende des Gabenzauns in Sicht: Die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte gab vorige Woche bekannt, dass die Mauer, auf der sich der Zaun befindet, abgerissen werden soll.

Die Initiatoren der Aktion kommentieren das auf ihrer facebook-Seite so: »Und was den Abbau des Zauns angeht - Hamburg hat genug Zäune. Wir werden den Gabenzaun auch an einem anderen Ort weiterführen!» Informationen über die Aktion und Neuigkeiten werden über diese facebookseite ausgetauscht. Begeisterte Nutzer-Kommentare sind da zu lesen. Manche kommen extra aus dem Hamburger Umland, um Gaben anzuhängen. Andere erzählen, was sie gespendet haben. Oder fordern ganz konkret auf, ebenfalls spontan zu helfen: »Hallo Herr Trump, wenn Sie im Juli nach Hamburg kommen – dann schauen Sie sich bitte an, wofür wir hier Zäune nutzen!«

Iris Macke