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Mein Sonntag

Viele Kuscheltiere auf einem Sessel

Mein erstes Kuscheltier war eine Katze aus rosa Plüsch. Ich muss sie sehr geliebt haben. Denn sie ist in meiner Erinnerung ziemlich fadenscheinig.  Irgendwann war sie weg, für immer. In meinen schlimmsten Pubertätsjahren machte ich meine Mutter für ihr Verschwinden verantwortlich. Heute bin ich mir nicht mehr so sicher, ob das stimmt.

Ich dachte wieder an meine rosa Katze, als ich am Sonntagnachmittag gemütlich alte Zeitschriften durchblätterte. Dabei stieß ich auf einen Artikel, in dem die Autorin über die Liebe zu ihrem Kuscheltier schrieb. Eine erwachsene Frau jenseits der 40 (es war ein Magazin für Frauen in den besten Jahren)  – und dann so eine infantile Leidenschaft. Ein mutiges Outing!

Aber wir sind ja unter uns. Und daher kann ich an dieser Stelle auch bekennen, dass ich meine rosa Katze nicht mehr so vermisse. Denn ich habe zwei neue Kuscheltiere: Teddy, einen Hasen, den ich geschenkt bekam. Und Eli, einen Elefanten, den mir meine Tochter genäht hat. Sie sind etwa drei Jahre alt. Warum ich das so genau weiß? 2015 hatte ich einen Bandscheibenvorfall. Meine Schwester riet mir, meine »weichen Seiten« stärker zu leben.

Ich war skeptisch. Ich bin doch erwachsen. Will stark sein. Muss es ja auch. Dann hörte ich mich um. Wie hielten es meine Freundinnen mit Kuscheltieren? Sie hatten welche! Und kuschelten mit ihnen. Ich hörte von Bären im Bett und einem Schimmel im Schrank, der in schlaflosen Nächten aus seiner Box kam. Ich fragte meine Kinder, ob sie mich für völlig bescheuert hielten, wenn ich jetzt auch …? Sie schauten mich nur verwundert an: »Was für eine Frage, Mama?!«

Also wünschte ich mir zum nächsten Geburtstag ein Kuscheltier und Weihnachten noch eins und ich holte mein altes Lämmchen dem Keller. Die drei haben es gut, denn sie finden in den Zimmern meiner fast erwachsenen Kinder Spielkameraden. Aber wir auch. Kuscheln tröstet! Und manchmal darf man klein sein. Das hilft beim Wachsen.

Sabine Henning