Glaubensinfo Klostergärten
»Und Gott pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein«, so beschreibt die Bibel das Paradies. Auch Klostergärten sollten ein Stück Paradies sein. Das Leben mit den Pflanzen erinnerte die Mönche an Vergänglichkeit und Neuentstehung. Vor allem aber dienten Klostergärten der Selbstversorgung. Benedikt von Nursia, Ordensgründer der Benediktiner, schrieb im 6. Jahrhundert in seiner Regel: »Das Kloster soll, wenn möglich, so angelegt werden, dass sich alles Notwendige, nämlich Wasser, Mühle und Garten, innerhalb des Klosters befindet.« Neben Gemüse und Obst wurden Heilkräuter angebaut, da im Mittelalter die Klöster die örtliche Krankenstation führten. Die Kräuter wurden zu Pasten und Pillen, aber auch zu Hochprozentigem verarbeitet, noch heute ist der »Melissengeist« der Karmeliter bekannt. Die Äbtissin Hildegard von Bingen, Naturkundlerin und Mystikerin, schrieb mehrere Bücher über Heilmittel und Behandlungsmethoden. Darin verbindet sie antike Lehre mit eigenen Erkenntnissen über die Wirkung einheimischer Kräuter und dem christlichen Geist der Barmherzigkeit: »Wie könnt ihr Heilmittel verabreichen, ohne eure Tugend dazuzutun?« Durch den regen Austausch der Klöster gelangten zum Beispiel Fenchel, Liebstöckel und Dill, ursprünglich im Mittelmeergebiet beheimatet, in hiesige Breiten und schließlich in die Gärten der Bauern. Dort findet die kreuzförmige Wegeführung der Klostergärten bis heute Nachahmung. Die Kreuzform sollte den Garten ursprünglich vor dem Zugriff finsterer Mächte schützen.
