Die Mischung

Die Adventszeit ist geheimnisvoll. Sie macht Erinnerungen lebendig, spricht unzählige Emotionen an. Für uns gehören Stille und Meditation genauso dazu wie Lachen, Nachdenken, Träumen, Traurigsein und Vorfreude.

Schmunzeln Sie mit uns über einen ganz anderen Nikolaus, lassen Sie sich von einem ungewöhnlichen Tortenrezept inspirieren, testen Sie Ihren Lesefinger und entdecken Sie echte Freunde.

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Als Kind dachte ich, die Linzer Torte heißt so, weil man immer wieder in die Kuchendose linst, um festzustellen, ob sie schon mürbe geworden ist. Die Torte gab es bei uns traditionell als Nachtisch beim Weihnachtsessen. Und so wurde das wochenlange, sehnsüchtige Warten auch immer ein Warten auf Weihnachten. Mit dem Backen der Torte beginnt heute noch für mich der Advent. Ein halbes Pfund Mehl, ein halbes Päckchen Backpulver und ein Viertelpfund gemahlene Haselnüsse kommen in die Schüssel und werden gut gemischt. Ein halbes Päckchen Butter habe ich schon vorher aus dem Kühlschrank geholt, schön weich ist sie jetzt. Mit dem Esslöffel zähle ich ab: acht Esslöffel Zucker, ein Esslöffel Zimt, ein halber Esslöffel Kakao, ein Esslöffel Öl und zwei Esslöffel Kirschwasser. Dazu noch ein Ei und eine halbe Messerspitze Nelken, alles ab in Schüssel. Mit den Händen knete ich einen festen, duftenden Teig, der eine Stunde ruhen muss. Nun rolle ich zwei Drittel des Teiges aus und lege den Boden von Mamas alte Springform damit aus. Aus einem Teil des letzten Drittels forme ich den Rand und drücke ihn gut fest. Nun kommt das Beste: Mit einer Ausstechform mache ich aus dem Rest so viele Teigsterne wie möglich, das durfte ich schon als kleines Kind. Jetzt noch den Boden mit Pflaumenmus bestreichen, die Sterne darauf auslegen, mit einer Mischung aus Eigelb und Sahne bestreichen und ab in den Ofen damit. Bei 200 Grad muss die Torte nun eine knappe Stunde backen. Wenn sie ausgekühlt ist, kommt sie in eine Blechdose und kann bis zu vier Wochen an einem kühlen Ort lagern. Mit ihrem Duft von Zimt und Zwetschgen hole ich mir Anfang Dezember die Vorfreude aufs Fest in die Küche. Und linse genauso sehnsüchtig wie damals in die Kuchendose, bis endlich Weihnachten ist.

 

(Misha Leuschen)