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Karfreitag

Ein Tag mit zwei Gesichtern: Die Engländer nennen ihn »Good Friday« und folgen damit Martin Luther, der vom »Guten Freitag« sprach. Uns geläufiger ist der Ausdruck »Karfreitag«, der vom Althochdeutschen ausgehend die Klage und die Trauer betont.

Zwei gegensätzliche Sichtweisen hatten auch die Menschen rund um den Hügel Golgata, gleich außerhalb der Stadtmauern Jerusalems, die am 7. April des Jahres 30 einer öffentlichen Kreuzigung zuschauten. Für die meisten war der Mensch, der da am mittleren Holzkreuz unter der spöttisch gemeinten Tafelaufschrift »Jesus von Nazaret, König der Juden« hing, ein Aufständischer und Gotteslästerer, der vor ein paar Tagen im heiligen Tempel für Aufruhr gesorgt hatte. »Kreuzige ihn!« hatten sie dem römischen Statthalter zugerufen und damit die härteste Strafe gefordert, die selbst im nicht zimperlichen Römischen Reich nur an Nicht-Römern vollzogen werden durfte. Für einige wenige der Umstehenden allerdings war dieser Jesus, der hier zwischen zwei Verbrechern hingerichtet wurde, ein Messias, ein Gesalbter und Gesandter Gottes. »Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen«, bekennt ein römischer Zenturio, nachdem er Jesu verzweifelten Todesschrei um die neunte Stunde, also gegen 15 Uhr, gehört hatte.

Das grausame Ende des menschgewordenen Gottes wurde drei Tage später, aus der nachösterlichen Perspektive zum Hoffnungsgrund für Christinnen und Christen: Es gibt uns die Gewissheit, dass Gott keine entrückte, fremde Macht ist, sondern auch unseren größten Schmerz kennt, unser tiefstes Leid, ja selbst das dunkelste Gefühl der Gottverlassenheit. Der auferweckte Gekreuzigte ist das radikalste Unterscheidungsmerkmal des Christentums zu anderen Religionen. Eine Torheit für die einen, eine Botschaft des Heils für die anderen: Dieser, unser Gott ist wirklich stärker als der Tod!