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Steinke: Terror gegen Juden

Schwarze Schrift und schwarze Linien auf weißem Grund: das Cover von Ronen Steinke, Terror gegen Juden

Im Reportagestil verdichtet Ronen Steinke die These vom Terror. Terror, das ist ein riesengroßes Wort. Doch bei der Lektüre wird Steinkes Argumentation schlüssig. Tatsächlich hat das, was oft als Einzelfall oder Dummerjungenstreich abgetan wird, System oder ist zumindest flächendeckend verbreitet. Schließlich ziehen sich antijüdische Taten (auch) seit 1945 durchs Land, in Ost und West, Stadt und Land, von Grabschändungen, Schmähungen, tätlichen Angriffen und Sprensätzen bis zum Mord. Steinke erzählt von jüdischen Eltern in Angst um ihre Kinder, resignierten Rabbinern und dem Besitzer eines jüdischen Restaurants im tiefen Osten, der nur noch eine Strichliste der Angriffe führt, statt die Polizei zu rufen. Sie ermittele ja eh nie.

So erfährt man packende Geschichten hinter den bekannten Fakten, manchmal ein wenig atemlos auf Kosten von Ruhe und Systematik. Aber spannend, dass etwa die Sicherheitsausstattung der Synagoge in Halle, auch die dicke Türe, die 51 betende Menschen vor dem rechtsradikalen Angreifer schützte, erst durch eine Spende aus dem Ausland erworben werden konnte. Das Land Sachsen-Anhalt hielt keinen Schutz vor, obwohl dies ein Staatsvertrag vorsieht.

Terror hält Steinke auch deshalb für das passende Wort, weil überhaupt so drastische Schutzmaßnahmen für Synagogen, jüdische Schulen und Kitas nötig sind. Er belegt eine systematische Schwäche des Rechtsstaates in der Strafverfolgung und Rechtsprechung und unterstreicht seine These mit einer knapp 100-seitigen Liste antijüdischer Gewalttaten von 1945 bis heute. Rechnerisch wurde zum Beispiel im Jahr 2018 alle zwei Wochen ein jüdischer Friedhof geschändet. Das sitzt. Was bleibt? Steinkes Forderung nach mehr Schutz und Gerechtigkeit an den Staat. Zu Recht.

Ronen Steinke: Terror gegen Juden. Wie antisemitische Gewalt erstarkt und der Staat versagt. Eine Anklage. Berlin: Berlin Verlag 2020. 18 Euro.