A-
A
A+
Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen ein gutes Benutzererlebnis bieten zu können. Wenn Sie unsere Dienste weiterhin nutzen, gehen wir davon aus, dass Sie damit einverstanden sind. Weitere Informationen VERSTANDEN!

Mein Sonntag

Eine Hand mit einem Löffel über einer Kaffeetasse

Foto (c): Ingram Image/Fotofinder.com

Kaum war ich von unserem Fastengottesdienst im Hamburger Mariendom nach Hause zurückgekehrt, da meldete er sich zum ersten Mal. Ein Magen-Darm-Virus, der mir den Einstieg in die Fastenzeit ungeheuer erleichterte. Auf den abendlichen Rotwein verzichten? Überhaupt kein Problem! Auf nichts hatte ich Appetit, nicht mal auf meinen geliebten Primitivo. Und natürlich mied ich auch Süßigkeiten, Fleisch und Milchprodukte.

Erst am Sonntag spürte ich aber den wahren Verzicht. Der Virus hatte sich nun zurückgezogen. Es blieb ein Gefühl der kompletten Ermattung – nicht ganz unangenehm, eher so, wie nach einem gewonnenen Kampf. Wenn da nicht diese Kopfschmerzen gewesen wären! So was kenne ich sonst gar nicht. Ein diffuser Druck im Schädel, der mir jeden optischen Sinneseindruck zur Qual machte. Lag es an den fehlenden Elektrolyten? Ich löste noch ein Päckchen aus der Apotheke in Wasser auf und trank es – keine Besserung. Schließlich kam mir die Idee: Vielleicht ist es der Kaffeeentzug? Eine Suchmaschinen-Anfrage schien meinen Verdacht zu erhärten. Gerade wer sich, wie ich, üblicherweise mit starkem Kaffee durch den Tag peitscht, kann bei plötzlichem Verzicht durch heftige Kopfschmerzattacken überrascht werden, die mitunter wochenlang andauern. Der Blutdruck im Gehirn sinkt ab, die Dopamin-Ausschüttung sinkt, die Neuronen protestieren nachhaltig.

Überrascht, welche Abhängigkeiten die verbreitete Droge Koffein schafft, überlegte ich kurz, ob ich die zwangsweise angefangene Fastenkur nun fortsetzen soll. Was Schmerzen angeht, bin ich allerdings ein Weichei. Also entschloss ich mich, stattdessen eine schöne Tasse Kaffee aufzusetzen. Schon als die ersten Bohnenaromen meine Geruchssinne erreichten, ließ der Druck im Kopf nach. Ich kann mich nicht erinnern, jemals eine Tasse Kaffee mehr genossen zu haben. Nun fühlte ich mich wieder als Mensch. Klar, man kann auch Kaffee fasten. Aber ich bitte Sie: Erstens war Sonntag, zweitens war ich krank und drittens faste ich doch schon Rotwein. Immerhin weiß ich jetzt, was mir noch schwerer fallen würde.

Frank Hofmann