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Mein Sonntag

Ein Handy liegt auf einem Bett. Man sieht ein Bild von Frank Sinatra.

Ich öffne die Tür zum Zimmer meiner Tochter – und schließe sie gleich wieder. Moment mal. Habe ich mich verhört?! Ich öffne sie noch einmal und stecke den Kopf ins Zimmer. Ich sehe Gretas Rücken, sie sitzt am Schreibtisch. Soweit alles normal. Doch der Soundtrack passt nicht. Ich höre »All I want for Christmas is you«. Ihr Handy liegt auf dem Bett, gerade wechselt der Song auf ihrer Playlist: Die ersten Töne von Frank Sinatras »Mistletoe and Holly« erklingen.

Wenn ich mich nicht irre, ist heute Sonntag, der 4. November. Noch ein Monat bis zum ersten Advent. Vor ein paar Wochen hatte Greta gesagt: »Am 1. November ist für mich der Herbst vorbei und es beginnt die frühe Vorweihnachtszeit. Dann höre ich meine ›Christmas-Classics‹-Playlist auf Spotify.« Das nenne ich konsequent. Eigentlich müsste ich protestieren. Denn jetzt kommt doch erstmal die Stille Zeit. Der Buß- und Bettag, das Totengedenken, bevor dann etwas Neues beginnt. Und Greta weiß das auch, schließlich gestaltet sie als Teamerin in unserer Gemeinde Gottesdienste mit.

Ich setze mich auf ihr Bett. Während sie weiter Hausaufgaben macht, lausche ich der Musik. Sie klingt unpassend in meinen Ohren, meine Stimmung ist eine andere. Aber ich freue mich auch. Schön, dass Greta die Adventszeit lieb hat. Dass sie ihre Musik und Rituale so sehr mag. Immerhin hat sie bis zum November gewartet, denke ich und muss grinsen. Leise gehe ich und schließe ich die Tür wieder hinter mir.

Sabine Henning