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Mein Sonntag

Eine rote Kerze wird angezündet, sichtbar ist auch die Streichholzschachtel.

Der November war für mich grau. Grau in der Natur; noch keine Adventslichter, die trösten, aber eben auch grau in mir selbst. Ich sehnte mich nach Ruhe. Doch stattdessen keimten in mir Sorgen und Angst vor einer ungewissen, sich verändernden Zukunft. Meine Nerven lagen oft blank und ich hörte, wie Worte aus meinem Mund schlüpften, die besser ungesagt geblieben wären. Advent war für mich innerlich sehr weit entfernt.

 »Mache dich auf, werde licht; denn dein Licht kommt!« In unserem Gottesdienst am Vorabend des ersten Advents sangen wir gemeinsam diese Worte aus Jesaja 60,1. Und auf Streichholzschachteln gedruckt trugen wir sie mit nach Hause. Beim Einschlafen flüsterte meine Tochter mir noch zu: »Mama, der Gottesdienst war schön – vor allem das Singen! Und bitte wecke mich morgen früh, denn ich möchte so gerne die erste Kerze am Adventskranz anzünden.« Sagt sie, die sonst mit ihren zwölf Jahren gerne auch mal bis elf oder zwölf Uhr am Sonntag ausschläft.

Ich nahm sie beim Wort. Vor dem gemeinsamen Sonntagsfrühstück entzündete sie feierlich die erste Kerze. Dabei fing sie an zu summen, denn der abgedruckte Text auf der Schachtel ließ sie an das Lied denken: »Mache dich auf…«. Wir stimmten ein, schafften es zum Schluss sogar, den Kanon dreistimmig zu singen. Mit dem Leuchten der Kerze und dem gemeinsamen Singen wurde mir tatsächlich licht. Leicht ums Herz. Im Vertrauen darauf, dass das Licht kommt.

Sarah Seifert