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Mein Sonntag

Die Pastorin, Frank Hofmann und seine Tochter stehen nah beieinander in dem Kirchenraum.

Unsere erste Begegnung war von gegenseitiger Skepsis geprägt. Ich hatte das Gespräch nicht gewollt. Meine Verlobte bestand auf einer kirchlichen Trauung. Deshalb saß ich nun hier im Pfarrbüro der evangelischen Gemeinde von St. Peter-Ording und erzählte der Pastorin, dass ich bekennender Heide sei, meiner künftigen Frau zuliebe aber alles über mich ergehen lassen wolle. »Ist das Ihre erste Ehe?«, fragte sie. »Nein«, sagte ich, »meine dritte.« Auch keine vertrauensbildende Info. Doch wir näherten uns an. Ihre sachliche Art gefiel mir. Die Hochzeit fand statt und wurde eine würdige, feierliche Zeremonie. Als ich mein Eheversprechen aufsagen sollte, versagte mir die Stimme.

Heute, elf Jahre später, sitze ich wieder in der Kirche und kämpfe gegen meine Rührung. Die Pastorin, unsere Pastorin, wird verabschiedet. Ein gemeinsamer Weg über elf Jahre geht zu Ende. Wir haben so viel geteilt. Sie begleitete meine Annäherung an die Kirche, taufte unsere Tochter, ermunterte mich zum Theologiestudium. Wir feierten nahezu alle Jahreswechsel seit damals gemeinsam unter dem Feuerwerk an der Strandpromenade. Es entstand eine besondere Freundschaft zwischen unseren Familien. Die wird weiter bestehen, sie ist an keinen Ort gebunden. Ihre neue Wirkungsstätte ist eine Gemeinde in Flensburg. Als letztes Lied wünscht sie sich vom Kantatenchor »Geh unter der Gnade«. Meine Tochter will wissen, warum ich weine. »Bei dem Lied«, flüstere ich ihr ins Ohr, »muss ich mir immer vorstellen, es würde auf deiner Hochzeit gespielt.«

Frank Hofmann

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