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Mein Sonntag

Fotos vom Sohn der Autorin liegen auf dem Tisch.

So viel Leben! Vor mir ausgebreitet auf dem Tisch. Mein Sohn ist 18 geworden. Ich möchte ihm nachträglich ein Fotobuch zum Geburtstag schenken. In den letzten Jahren habe ich kaum noch Bilder in Alben geklebt. Aber ich habe das Tagebuch, das ich in den ersten Monaten seines Lebens führte. An diesem Sonntag kommt er mir wieder nah, als Säugling, der es hasste, gebadet zu werden. Als Zweijähriger in Feuerwehruniform, ein paar Jahre später Luftgitarre spielend auf dem Campingplatz, verträumt Sträucher gießend oder konzentriert ein Kartenhaus bauend.

All das warst und bist du, Finn, denke ich. Immer wieder ganz anders, als ich erwarte oder mir vorstellte. Der du tagsüber nur schlafen konntest, wenn ich dich im Kinderwagen schob. Bei dem mit zweieinhalb Jahren kein Weg an einem eigenen Skateboard vorbeiführte. Der mit 13 Jahren wilde Zeiten hatte, die uns sogar einmal zu einer Belehrung aufs Polizeirevier führten.

Niemals hätte ich dich als den in sich ruhenden, standfesten jungen Mann vorausgesehen, der du heute auch bist. Das wird das letzte Fotoalbum sein, das ich für dich klebe. Längst kenne ich nicht mehr alle deine Seiten. Und das ist gut so. »Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin«, lautet dein Taufspruch. Das Leben gehört dir, du Wunderwerk Gottes. Ich freue mich darauf, dich weiter kennen zu lernen – und mich verändern lassen zu dürfen.

Sabine Henning