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Mein Sonntag

Meer und Wolken mit einer Wasserhose, einer senkrechten Linie in den Himmel

Noch einmal Sommer! Am Mittelmeerstrand von Formentera. Baden, die Wärme auf der Haut spüren, die Wolken am Himmel beobachten. Ich lag im Sand und musste an Astrid Lindgrens Worte aus ihrem Tagebuch denken: »Und dann braucht man ja auch noch Zeit, um nur dazusitzen und vor sich hinzustarren …«

Wann hatte ich das letzte Mal einfach nur Wolken beobachtet? Ich konnte mich nicht erinnern und genoss es umso mehr. Sah, wie sie sich veränderten; dichter wurden, dunkler … und aus einer Wolke heraus ein Strahl bis zur Wasseroberfläche nach unten wanderte. Dort begann ein Strudel kreisförmig zu tanzen. Dieses Gebilde bewegte sich: Der Strahl wurde dicker und dicker, das Wasser stieg spiralförmig nach oben zur Wolkendecke. Der Sog war deutlich erkennbar. Ich holte meine Kinder aus dem Wasser und bekam Angst. Niemand traute sich jetzt noch ins Meer, alle Strandbesucher standen und schauten – teils ehrfürchtig, teils ängstlich – der Wanderung der Wasserhose zu.

Nach ein paar Minuten wurden die Wolken wieder heller, der Tornado über dem Wasser löste sich auf. Das Staunen und die Ehrfurcht blieben. Das Naturschauspiel war weit genug vom Ufer entfernt, um nicht bedrohlich zu werden. Erleichtert bestürmten mich die Kinder mit Fragen: Was wäre gewesen, wenn die Wasserhose das Ufer erreicht hätte? Mit wie viel Stundenkilometern saust das Wasser im Strudel gen Himmel? Wäre ein Mensch aufgesaugt worden, wenn er dort hinten geschwommen wäre?

Als die Sonne wieder durch die Wolken brach, konnten wir Licht, Meer und Baden umso mehr genießen. Gottes Schöpfung ist vielseitig und eben nicht nur einfach schön. Auch an einem nahezu paradiesischen Ort kann es dunkel sein. Für mich schien die Sonne nach diesem Erlebnis ein wenig heller.

Sarah Seifert