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Mein Sonntag

Weiße Rosen an einem Strauch

Der rote Ballon glänzt im Sonnenlicht

Wenn irgendwo eine Rose blüht, rieche ich an ihr – egal ob ich es eilig habe oder nicht. An Wochentagen auf dem Weg zur Arbeit geht das oftmals nur für einen Atemzug. An diesem Sonntag war ich schon früh unterwegs zu einer Freundin. Wir wollten elbabwärts radeln. Ich konnte mir ein bisschen Zeit lassen und sog den Duft einer weißen Rose tief ein, die an einem Haus emporrankte. Um mich herum war alles still, keine Autos wie sonst im Berufsverkehr, Schwälbchen sangen. Mir kamen die frühen Sommer im Haus meiner Kindheit in den Sinn, an dem eine Rose buschig hinauf bis zum Balkon und daran entlang wuchs. Manchmal schnitt meine Mutter am Morgen ein paar Zweige, um sie mir für unser Klassenzimmer mitzugeben.

An diesem Morgen war durch den Duft alles da: meine Mutter, das kleine Mädchen, das ich gewesen war, die Ruhe und Geborgenheit eines Junimorgens. Als ich wenig später aufs Rad stieg und ein paar Meter gefahren war, bremste ich ab. Mir wurde bewusst, dass ich gerade meinen Sonntagsmoment erlebt hatte: Ich war in einen Liebeskosmos eingetaucht.

Ich stellte das Rad ab und ging zurück, um die Rose zu fotografieren. Etwas in den Zweigen eines Baumes suchte meine Aufmerksamkeit. Ich schaute nach oben sah einen rotglänzenden Ballon in der Form eines Herzes, der sich in den Zweigen verfangen hatte und im Sonnenlicht leuchtete. Ich schmunzelte. Nachdem ich die Rose fotografiert hatte, fiel mein Blick auf meinen Schatten auf dem Gehweg. Er war über und über mit Rosenblättern bedeckt, wie für eine Hochzeit.

Sabine Henning