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Mein Sonntag

Ein junger Mann auf einer Vespa mit einer Gitarre auf dem Rücken vor einer Herbstlandschaft

Foto: Judywie/photocase.de

An diesem Wochenende saß ich mit alten Freunden in meiner Heimat zusammen. Einige hatte ich seit der zehnten Klasse nicht mehr gesehen, mit anderen bin ich in engem Austausch. Doch wir wohnen alle so weit auseinander. Ehe ich mich versah, hatte ich eine Gitarre in der Hand und wir sangen all die Songs, die wir in unserer Jugendzeit cool fanden und an den vielen gemeinsamen Abenden rauf und runter gesungen hatten: Country Roads, Über den Wolken, The Roof Is On fire, Whiskey In The Jar, Cocaine, Am Tag als Conny Kramer starb, Rocky Horror Show, Hair – und noch so viele mehr.

Ich erinnerte mich an eine Fortbildung mit dem Kinderliedermacher und Theologen Reinhard Horn, bei der ich kürzlich war. Wir sangen und tanzten zusammen, lernten neue Kinderlieder. Er berichtete von Studien, die nachweisen, dass das »musikalische Gedächtnis« für Lieder, Gedichte und Geschichten bei einer Demenzerkrankung auch dann noch funktioniert, wenn alles andere schon vergessen ist. Volkslieder, Kirchenlieder und deutsche Schlager sind es, die viele Demenzpatienten sofort mitsingen können.

Mit leuchtenden Augen sprach Horn davon, dass es unsere Aufgabe sei, unseren Kindern Lieder mit auf den Lebensweg zu geben. »Lieder sind Seelenproviant«, zitierte Horn seinen Lieblingssatz eines Pädagogen. Wer in der Kindheit einen Rucksack mit Liedern, Geschichten und Tänzen füllt, der kann oft und lange davon zehren. Was für ein schönes Bild!

An diesem Sonntag, im Kreis meiner alten Freunde kam es mir wieder in den Sinn. Wir hatten so viel Spaß miteinander und trotz der Entfernungen im Alltag fühlten wir uns unglaublich verbunden – uns nährte der »Seelenproviant«.

Kirsten Westhuis