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Mein Sonntag

Sonntag war unser letzter Urlaubstag. Mit ein bisschen Wehmut im Bauch gingen meine Tochter und ich noch einmal in den Wald, der an unser Feriendomizil grenzte. Es hatte geregnet; die Aussicht auf frisch gewachsene essbare Pilze zog uns vom Waldweg ins Dickicht hinein. Wir stampften über den moosigen Boden, die Augen immer auf der Suche nach »Pilzstellen« unter den Bäumen. Wir bezwangen Brombeersträucher; halfen uns gegenseitig über Baumschranken und überquerten von Stein zu Stein einen Bach… »So muss sich Ronja Räubertochter in ihrem Wald gefühlt haben«, sagte meine Tochter und ich stimmte ihr zu.
Zunehmend wurde ich ein wenig ungehalten darüber, dass wir keine Pilze fanden, doch zugleich ärgerte mich meine innere Unruhe. Die Sonne lugte zwischen den Bäumen hindurch. Plötzlich fiel mir auf, dass der Boden übersät war von Kleeblättern. Die Luft war würzig frisch, der Wind rauschte in den Wipfeln. Ein Baum schüttelte alte Regentropfen ab, die dann vor uns auf den Kleeblättern lagen: rund, glänzend, schön. Wir hockten uns auf den Boden und sahen Tropfen wie Perlen, Moose als Wald für Ameisen, entwurzelte Bäume als Bau für Wildkaninchen und vergaßen die Zeit. »Wer suchet, der findet« heißt es in der Bibel – aber eben nicht unbedingt das, wonach ursprünglich Ausschau gehalten wurde.

Sarah Seifert