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Umfrage zu Wirtschaftsskandalen

Erinnern Sie sich?

 

Wie schnell vergeben und vergessen wir, wenn Unternehmen schuldig werden? anders handeln hat eine Umfrage zu den acht größten Wirtschaftsskandalen der Nachkriegszeit in Auftrag gegeben, bei denen Konsumenten die Leidtragenden waren. Das Umfrageinstitut »splendidresearch« hat 1000 Verbraucher danach gefragt, ob sie sich an den jeweiligen Skandal erinnern, und ob dieser ihr Kaufverhalten beeinflusst hat beziehungsweise nach wie vor beeinflusst.  Dabei zeigt sich, dass auch weiter zurückliegende Vorfälle noch gut erinnert werden. Am bekanntesten ist jedoch die VW-Abgas-Affäre, die zunehmend das Kaufverhalten der Befragten beeinflusst.

Hier sehen Sie die Umfrageergebnisse im Überblick:

Hier sehen Sie die Ergebnisse im Einzelnen:

 

1962: Contergan

Zehntausende von Schwangeren nahmen es in den 1950er-Jahren regelmäßig – ein als Schlafmittel und zur Behandlung der morgendlichen Schwangerschaft-Übelkeit. Denn: Contergan galt im Hinblick auf Nebenwirkungen als sicher. 1962 dann der Skandal: Die Einnahme führt nachweislich zu Schädigungen in der Wachstumsentwicklung der Föten. In der Folge wurden weltweit wurden etwa 5 000-10 000 Kinder mit Fehlbildungen geboren. Derzeit leben noch etwa 2400 Contergan-Geschädigte in Deutschland. 1968 kam es zum Prozess gegen den verantwortlichen Arneimittelhersteller Grünenthal. Grünenthal zahlte den Opfern eine finanzielle Entschädigung von insgesamt 100 Millionen DM – und bringt bis heute Medikamente auf den Markt.

Habe davon gehört: 76 Prozent
Bin mir nicht sicher: 5 Prozent
Hat mein Kaufverhalten damals beeinflusst: 31 Prozent*
Hat mein Kaufverhalten teilweise beeinflusst: 12 Prozent
Beeinflusst mein Kaufverhalten heute noch: 29 Prozent
Beeinflusst mein Kaufverhalten heute noch teilweise: 17 Prozent

*der Befragten, die von dem Skandal gehört haben

 

1981: Nestlé

In den 1980er-Jahren startete der Lebensmittelkonzern Nestlé in Entwicklungsländern große Werbekampagnen für die Verwendung seines Babymilchpulvers, obwohl ein neuer Verhaltenskodex der Weltgesundheitsorganisation WHO von 1981 nur noch eine sehr restriktive Vermarktung von Babynahrung vorgab. Die Produkte sollten mit dem Hinweis versehen werden, dass Stillen in den ersten Lebensmonaten eines Babys immer besser sei als Babymilchpulver. Nestlé hielt sich nicht an diese Vorgaben. Der Konzern gaukelte den Müttern in der Dritten Welt vor, seine Säuglingsnahrung sei wertvoller als Muttermilch. Die Mütter rührten das Pulver mit dem in ihren Ländern meist verschmutztem Wasser an. Viele Babies erkrankten und starben. Nestlé wurde vorgeworfen, diese Gefahr aus Gewinnsucht verschwiegen zu haben. Noch heute produziert das Unternehmen sein Babymilchpulver in der Schweiz und wird dafür vom Schweizer Staat subventioniert.

Habe davon gehört: 31 Prozent
Bin mir nicht sicher: 21 Prozent
Hat mein Kaufverhalten damals beeinflusst: 45 Prozent*
Hat mein Kaufverhalten teilweise beeinflusst: 25 Prozent
Beeinflusst mein Kaufverhalten heute noch: 45 Prozent
Beeinflusst mein Kaufverhalten heute noch teilweise: 22 Prozent

*der Befragten, die von dem Skandal gehört haben

 

1985: Birkel

Mitte der 1980er-Jahre machte Birkel, bis dato der größte Nudelhersteller Deutschlands, Negativ-Schlagzeilen. Birkel wurde vorgeworfen, bei der Produktion seiner Teigwaren verdorbenes und verunreinigtes Flüssigei verwendet zu haben. Lange konnte nicht geklärt werden, ob diese Vorwürfe berechtigt waren oder nicht. Birkel klagte auf Schadensersatz, bekam Recht und wurde voll und ganz rehabilitiert. Trotzdem war der Umsatzeinbruch so groß, dass Birkel in die Krise geriet und von der Danone-Gruppe übernommen wurde. Später brachten Recherchen ans Licht, dass die Vorwürfe zumindest teilweise stimmten.

Habe davon gehört: 22 Prozent
Bin mir nicht sicher: 13 Prozent
Hat mein Kaufverhalten damals beeinflusst: 56 Prozent*
Hat mein Kaufverhalten teilweise beeinflusst: 18 Prozent
Beeinflusst mein Kaufverhalten heute noch: 42 Prozent
Beeinflusst mein Kaufverhalten heute noch teilweise: 18 Prozent

*der Befragten, die von dem Skandal gehört haben

 

1995: Shell

Ein schwimmender Öltank im Nordatlantik – das war die »Brent Spar«. Das Unternehmen Shell hatte darin in den 1970er-Jahren Rohöl zwischengelagert, das Tankschiffe an Land brachten. 1995 wollte Shell die »Brent Spar« zum Entsorgen einfach im Meer versenken – beladen mit rund 130 Tonnen Ölschlämmen, Schwermetallen und radioaktiven Abfällen. Greenpeace protestierte mit spektakulären Aktionen gegen diese Form der Umweltverschmutzung und war erfolgreich: Die »Brent Spar« wurde umweltgerecht entsorgt und an Land zerlegt. Seit 1998 gilt zudem ein generelles Verbot für Plattformversenkungen. Shell erlitt einen massiven Imageverlust.

Habe davon gehört: 30 Prozent
Bin mir nicht sicher: 20 Prozent
Hat mein Kaufverhalten damals beeinflusst: 45 Prozent*
Hat mein Kaufverhalten teilweise beeinflusst: 26 Prozent
Beeinflusst mein Kaufverhalten heute noch: 38 Prozent
Beeinflusst mein Kaufverhalten heute noch teilweise: 25 Pozent

(*der Befragten, die von dem Skandal gehört haben)

 

2001: Lipobay

Seit März 2001 war es dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte aufgefallen: Bei der Einnahme des Cholesterinsenkers Lipobay traten oft schwere Nebenwirkungen auf. Die Muskeln mancher Patienten lösten sich einfach auf, manchmal mit tödlichen Folgen. Dem Lipobay-Produzenten Bayer wurde vorgeworfen, von diesen schweren Nebenwirkungen gewusst zu haben. Erst im August 2001 nahm Bayer das Medikament weltweit vom Markt – hatte aber bereits zwei Monate zuvor die deutschen Hausärzte gewarnt. Wegen dieses Fehlers trat der Pharmaziechef des Chemie-Konzerns zurück. Vor allem vor US-Gerichten wurden etliche Schadensersatzansprüche gegen Bayer geführt

Habe davon gehört: 13 Prozent
Bin mir nicht sicher: 15 Prozent
Hat mein Kaufverhalten damals beeinflusst: 39 Prozent*
Hat mein Kaufverhalten teilweise beeinflusst: 20 Prozent
Beeinflusst mein Kaufverhalten heute noch: 44 Prozent
Beeinflusst mein Kaufverhalten heute noch teilweise: 19 Prozent

(*der Befragten, die von dem Skandal gehört haben)

 

2008: Lidl

Mini-Kameras im Sanitärbereich, Protokolle über noch so kurze Pausen – der Lebensmitteldiscounter Lidl hatte ein ausgeklügeltes Kontrollsystem für seine Mitarbeitenden entwickelt. Und das ganz »heimlich, still und leise«, ohne dass die Mitarbeitenden darüber informiert worden waren. Ein Skandal – vor allem in den Augen von Datenschützern und Gewerkschaften. Im Jahr 2008 wurde das Überwachungssystem bei Lidl aufgedeckt. Das Unternehmen entschuldigte sich bei den Geschädigten und zahlte insgesamt fast 1,5 Millionen Euro an Bußgeldern. Der Discounter geriet aber auch danach immer wieder wegen unkorrekten Umgangs mit den Angestellten in die Kritik.

Habe davon gehört: 31 Prozent
Bin mir nicht sicher: 21 Prozent
Hat mein Kaufverhalten damals beeinflusst: 34 Prozent*
Hat mein Kaufverhalten teilweise beeinflusst: 24 Prozent
Beeinflusst mein Kaufverhalten heute noch: 24 Prozent
Beeinflusst mein Kaufverhalten heute noch teilweise: 24 Prozent

(*der Befragten, die von dem Skandal gehört haben)

 

2012: KiK

Das Textilunternehmen KiK geriet bereits häufig wegen unlauterer Herstellungsmethoden und fragwürdiger Umgangsweisen mit Mitarbeitenden in die Kritik, aber der Brand in einer Textilfabrik in Pakistan, in der vor allem KiK produzieren ließ, löste einen öffentlichen Aufschrei aus. 260 Arbeiter kamen bei dem Feuer im September 2012 ums Leben. Der Brand gilt als größter Industrieunfall in der Geschichte Pakistans. Er deckte auf: KiK ließ seine Angestellten unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten. Angemessene Sicherheitsvorkehrungen existierten nicht. KiK hat bislang eine Million Dollar für die Opfer bereitgestellt, aber auf den Textilhersteller kommen weitere Schadensersatzzahlungen zu. Im März 2015 reichten ein Überlebender und drei Hinterbliebene aus Pakistan Klage ein. Die Klage gegen KiK ist ein juristisches Novum. Noch nie haben ausländische Arbeiter eines Zuliefererbetriebs einen deutschen Textilhändler vor einem deutschen Gericht verklagt.

Habe davon gehört: 41 Prozent
Bin mir nicht sicher: 15 Prozent
Hat mein Kaufverhalten damals beeinflusst: 67 Prozent*
Hat mein Kaufverhalten teilweise beeinflusst: 16 Prozent
Beeinflusst mein Kaufverhalten heute noch: 63 Prozent
Beeinflusst mein Kaufverhalten heute noch teilweise: 19 Pozent

(*der Befragten, die von dem Skandal gehört haben)

 

2015: VW

Der Name Volkswagen galt über Jahrzehnte hinweg – auch im Ausland – als Garant für Qualität und Seriosität – bis zum September 2015. Damals wurde bekannt, dass der renommierte Autokonzern bei der Abgas-Prüfung seiner Dieselfahrzeuge kräftig geschummelt hatte: mit illegalen Techniken wurden die Werte für den CO2-Ausstoß manipuliert. Der Grund für die Tricksereien waren die strengen Abgasnormen der USA, die umgangen werden sollten. Später kam heraus, dass auch in Europa zugelassene Volkswagen-Fahrzeuge deutlich mehr CO2 in die Luft pusten als erlaubt. 

Habe davon gehört: 97 Prozent
Bin mir nicht sicher: 1 Prozent
Hat mein Kaufverhalten damals beeinflusst: 27 Prozent*
Hat mein Kaufverhalten teilweise beeinflusst: 14 Prozent
Beeinflusst mein Kaufverhalten heute noch: 36 Prozent
Beeinflusst mein Kaufverhalten heute noch teilweise: 21 Prozent

(*der Befragten, die von dem Skandal gehört haben)