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Mein Sonntag

Ein blauer Schmetterling rastet auf einem Felsen.

Es war eine Idee meines Neffen. Am Samstagabend erzählte er, dass er und seine Freundin am nächsten Tag einen Ausflug auf die Insel Fehmarn machen wollten – und ich antwortete ganz spontan: »Da kommen wir mit!« Völlig untypisch für uns, denn eigentlich planen wir unsere Wochenenden lieber lange im Voraus und auch eher »chillig«, denn bei drei Kindern sind Ausflüge anstrengend: Selten ist für jeden was dabei… Umso größer war meine Verwunderung, als alle drei Kinder zusagten, am nächsten Tag mitzukommen.

Doch schon am nächsten Morgen trat das ein, was ich befürchtet hatte. Beim Frühstück ging´s los mit den Zweifeln und langen Gesichtern: »Ist bestimmt totlangweilig da!« – »Was wollen wir da eigentlich machen?« Natürlich konnte ich die Kinder verstehen: die lange Autofahrt, Spazierengehen am Strand und Mittagessen in irgendeinem Gasthof ist bestimmt nicht gerade das Sonntagsprogramm, das Teenager vom Hocker haut. Also traute ich mich kaum zu sagen, was mein Neffe als ersten Programmpunkt vorgeschlagen hatte: »Erstmal wollen wir in den Schmetterlingspark.« Totenstille. Alle drei starrten mich völlig entgeistert an. Und mir wurde schlagartig klar, welche Art Sonntag das werden würde: maulen und nörgeln von morgens bis abends – und das mal drei!

Doch stattdessen: glucksendes Kichern und entzückte Ausrufe! Die Vorstellung, dass ihr 30-jähriger Cousin in den Schmetterlingspark wollte, fanden alle drei so süß, dass sie wohl spontan beschlossen, ihm zuliebe voll mitzuziehen. Ein bisschen machten sie sich vielleicht auch lustig über ihn – aber auf eine durchaus charmante Art: Sie waren aufgeschlossen für alles, was der Tag so bringen würde. Im Schmetterlingspark staunten sie, als sie lasen, dass Schmetterlinge nur ein bis drei Wochen leben, betrachteten interessiert die verpuppten Raupen in der »Aufzuchtstation« und ließen sich auf das Spiel »Such den Leguan« ein. Den Strandspaziergang versüßten sie sich mit »Ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm« und da wider Erwarten auch noch die Sonne rauskam, sprangen sie sogar spontan in die Ostsee. Selbst dem Räucherfisch im Restaurant, den sie eigentlich nicht ganz so gern mögen, gaben sie wohlwollend eine Chance.

Für mich wurde es ein rundum bemerkenswerter Sonntag: Mich haben meine Kinder überrascht. Und ihre ungeahnte Art und positive Einstellung, sich auf Neues, vermeintlich Langweiliges einzulassen, hat auch mich ins Nachdenken gebracht, wie oft ich genau das vielleicht auch nicht schaffe – und damit so manch bunten Insel-Sommertag verpasse!

Ulrike Berg