A-
A
A+
Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen ein gutes Benutzererlebnis bieten zu können. Wenn Sie unsere Dienste weiterhin nutzen, gehen wir davon aus, dass Sie damit einverstanden sind. Weitere Informationen VERSTANDEN!

Mein Sonntag

Nahaufnahme einer Glockenblume am Wegesrand vor einem Stacheldrahtzaun

»Was denkst du über den Brexit?«
»Über das Breakfast?«
»Sorry, den Brexit!«
»Und ich sage Breakfast. Politik ist Gelaber, nicht die Realität. Leben ist jetzt!«, ruft der Brite im Rollstuhl.

Er hebt das Bierglas. Meine Tochter und ich lachen. Der Schwede, der den Mann gefragt hat, auch. Wir sind zufällig auf die buntgemischte Truppe gestoßen, in einem Pub in Youlgreave, einem Weiler im Peak District. Die letzte Station unseres zweiwöchigen Roadtrips durch England und Wales, der am Samstag endete.

Wieder zuhause räume ich die restlichen Dinge aus dem Koffer. Innerlich angekommen bin ich noch nicht. Meine Gedanken wandern, in den Pub, zu den Orten und Begegnungen. Immer wieder waren auch wir auf den Brexit angesprochen und gefragt worden, was wir darüber denken (»Haltet ihr uns für total bekloppt?«). Ich antwortete wahlweise mit »Ich fände es sehr traurig« oder »Ich hoffe nicht, dass es dazu kommt«.

Nur beim Frühstück an unserem letzten Tag hält sich das Paar am Nebentisch zurück. Wir reden über das Sterben der in England so verbreiteten Eschen (»ein Pilz aus Europa ist dran schuld«), den fehlenden Fremdsprachenunterricht an der Schule ihrer 14-jährigen Enkelin. Ich erzähle, dass ich vor 30 Jahren in Wales studiert habe. Und dass Greta nach dem Abi auch gerne eine Zeit an einer englischen Uni verbringen würde. Wir schwärmen von dem, was wir auf unserer Reise gesehen und erlebt haben.

Und weil ich so voll neuem Glück bin über dieses Land und seine Landschaften, seine Sprache, seine Skurrilitäten und den herzlichen Abschiedsgruß »Cheers, Love« an jeder zweiten Supermarktkasse, fährt es aus mir heraus: »Ich liebe Ihr Land sehr«. Es klingt aufgekratzter, als ich es meine. Die beiden schauen zuerst verunsichert. Dann bedanken sie sich. Zum Abschied sagen wir uns, dass es schön war, dass wir uns getroffen haben. Und es ist keine Floskel.

Sabine Henning