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Mein Sonntag

Sechs kleine goldene Krönchen

Der Unmut war groß. Wieder einmal. Halloween – Kürbisse, kleine Geister auf den Straßen, Grusel weit und breit. »Dagegen!« proklamierten nicht nur viele Nutzer in den sozialen Netzwerken. »Also meine Tür bleibt an diesem Abend fest verschlossen«, postet eine Userin von Facebook. Ich habe unsere Haustür geöffnet. Und aufgeregte und strahlende Kindergesichter gesehen, die sich einfach nur gefreut haben, zu dieser Tageszeit noch unterwegs sein zu dürfen und Naschis zu sammeln. Eineinhalb Wochen ist das jetzt her.

An diesem Sonntag war Martinstag. Ein grauer Novembersonntag zog ereignislos vorbei. Warum eigentlich? Ist das nicht die Chance für alle Halloween-Nörgler, die perfekte Alternative zu Halloween zu bieten? In meiner ostwestfälischen Kindheit sind wir zum Martinisingen losgezogen. Laternen in der Hand und selbstgebastelte Kronen zum Verschenken in der Tasche. Das Martinisingen war ursprünglich ein protestantischer Brauch, der ein Gegengewicht zum römisch-katholischen Nikolauskult setzen sollte. Martin Luther wurde am 11. November getauft, am 10. November hat er Geburtstag. Gerne sind wir an beiden Tagen um die Häuser gezogen. Wie wäre das: nächstes Jahr Werbung für das Martinisingen zu machen? Ein Schild aufzuhängen: »Hier gibt’s Naschis zum Martinstag!« Den verwunderten Kindern den Brauch zu erklären. Und ein Lied weiterzugeben, das weder Rasierschaum noch faule Eier androht – sondern goldene Kronen verspricht:

Martin Luther, Martin singen wir.
Wir stehen hier,
vor Eurer Tür.
Wer uns was gibt
und nicht vergisst,
der kriegt eine goldene Krone.
Die Krone reicht so weit, so weit,
bis über die ganze Christenheit.
Guten Abend, guten Abend!
Laßt uns nicht so lange steh’n,
wir wollen noch ein bisschen weitergeh’n,
von hier bis nach Kölle.
Kölle ist ’ne große Stadt,
da geben uns viele Leute watt.
Klipp Klapp Rosenblatt,
schöne Jungfrau, gib uns watt,
gib uns einen Apfel,
der liegt bei uns auf’m Schapfel,
gib uns eine Nuss,
dann geh’n wir wieder nach Hus!   

Iris Macke