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Mein Sonntag

Zwei Frauen im Vordergrund auf einem Bahnsteig, eine formt mit den Händen ein Herz. Darin eine weitere Frau, die auf einem anderen Bahnsteig steht.

Einmal im Jahr fahren wir drei Frauen übers Wochenende weg. Wir kennen uns seit 30 Jahren. Über diese Zeit und trotz der räumlichen Distanz zwischen Hamburg und Berlin hat sich unsere Freundschaft gehalten und vertieft. Dieses Jahr führte uns die Reise ins brandenburgische Lenzen an der Elbe. Wir radelten auf dem Deich durch die Auen, schwammen unter dem Sternenhimmel ein letztes Mal im See und probierten uns durch die Torten des stillen Städtchens.

Vor unserer Abfahrt fragten wir eine Frau vom Nachbartisch, ob sie ein Foto von uns machen könne. Wir positionierten uns, sie drückte ab und wir begutachteten die Ergebnisse: »Darauf habe ich ein Doppelkinn«, sagte die eine. Die andere bemängelte die steile Falte über ihrer Nase, die dritte war mit ihren Haaren nicht einverstanden. Wir gaben ihr das Handy zurück und sie fotografierte weiter, bis wir mit dem Ergebnis leben konnten. Als wir uns für ihre Geduld bedankt hatten, erzählte sie uns, dass ihr erster Mann gerade Fotos aussortiert und ihr welche geschickt hatte. Sie habe beim Betrachten gedacht: »Wie schön ich war.« Damals, als sie in unserem Alter gewesen sei, habe sie das nicht sehen können. Sie hielt einen Moment inne, schaute uns an und sagte mit ruhiger Stimme: »Sie sind sehr schön.«

Sabine Henning

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