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Mein Sonntag

Ein Hund liegt auf dem Bett und schaut aus dem Fenster

Ich bin ein Rudeltier. Als große Schwester einer sechsköpfigen Familie bin ich von klein auf daran gewöhnt, dass es um mich herum immer ein bisschen wuselt und nie vollkommen ruhig ist. Die größte Umstellung, als ich zum Studium von zu Hause auszog, war daher die plötzliche Stille. In meinem kleinen Zimmer im Studentenwohnheim bekam ich nur wenige Geräusche von Zimmernachbarn mit und in den ersten Wochen empfand ich die Ruhe oft als bedrückend. Ich spielte häufiger Klavier, ließ Hörbücher laufen oder Biathlonübertragungen im Fernsehen, einfach nur, um andere Stimmen zu hören. Mit der Zeit gewöhnte ich mich an die Stille und nehme sie heute in meiner Wohnung meistens gar nicht mehr bewusst wahr. Nur wenn ich viel Zeit mit der Familie verbracht habe oder am Wochenende Besuch von meinem Freund hatte, der in einer anderen Stadt wohnt, fällt mir die Stille noch manchmal auf den Kopf.


An diesem Sonntag ist das anders. Nachdem sich mein Freund in Richtung Bahnhof verabschiedet hat, fühle ich mich ausnahmsweise nicht einsam. Es ist auch nicht vollkommen still. Wenn ich genau hinhöre, kann ich in der Wohnung ein leises Schnarchen, gelegentliches Schmatzen und ab und zu vorsichtige Schritte auf dem Parkett hören. Verursacherin dieser Geräusche ist unsere Familienhündin Kerry, die während des Urlaubs meiner Eltern bei mir residiert. Schon diese leisen Anzeichen anderen Lebens in meiner Wohnung bewirken, dass ich mich rudelbehütet fühle. Wenn mich das Kuschelbedürfnis überkommt, schaue ich kurz bei Kerry im Körbchen vorbei, kraule ihr einmal die Ohren und bin schon getröstet.


Linda Giering


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