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Mein Sonntag

Ein Kreuz mit Herzen und Sternen darum herum, auf dem Bild liegt ein pinker Leuchtstab.

Wir haben 250 Kilometer im Auto von Hamburg ins westfälische Enger hinter uns. Wir würden uns gern etwas bewegen, aber wir kommen gerade rechtzeitig zum Beginn des Gottesdienstes. Besonders unsere Sechsjährige mault etwas bei der Aussicht, nun auch noch lange auf einer Kirchenbank zu sitzen. Ich nehme sie auf den Schoß und schaue mich in der voll besetzten Kirche um. Typisches Konfirmationspublikum, denke ich und schmunzel meiner Schwester zu. Manchen ist anzusehen, dass sie sich auf fremdem Terrain befinden.

Ich lehne mich zurück und erwarte die Orgel. Doch Fehlanzeige. Zunächst tritt eine sehr forsche und energiegeladene Pastorin nach vorne: »Ein herzliches Willkommen besonders an die, die sich in einer Kirche nicht zu Hause fühlen. In diesem Gottesdienst soll zu spüren sein, dass man in einer Kirche Freude haben darf. Hier darf man lachen. Und Fehler machen. Und sich geborgen fühlen.« Damit hat sie mich. Was für ein sympathischer Einstieg! Und es geht weiter so. Frei erzählt sie uns von den Konfirmanden, die in der Kirchenküche zusammen gekocht haben. Und sogar die Küche aufgeräumt! Nächstes Jahr wollen sie alle wiederkommen und noch einmal im Gemeindehaus übernachten. Und auch wieder aufräumen.

In der Predigt geht es um Star Wars – und mittendrin intoniert die Orgel dramatisch die Star-Wars-Melodie. Möge die Macht mit Dir sein! – Der Segen Gottes ist mit Euch! Sogar die Konfirmationshandlung menschelt von vorne bis hinten (»Ole, Dein Konfirmationsspruch ist auch für mich ein ganz besonderer!«). Zwei Mal singt ein Solosänger, sein »Over the rainbow« rührt mich zu Tränen. Die Konfirmanden (und alle Besucherkinder, sehr zur Freude unserer Sechsjährigen!) erhalten Leuchtstäbe als Ersatz für Lichtschwerter zur Erinnerung und am Schluss tanzen die Konfirmanden samt Pastorin nahezu aus der Kirche – zu einer Orgelimprovisation des Oldies »YMCA«. Ich bin berührt und begeistert. Und analysiere anschließend nüchtern mit meiner Theologen-Familie: ein absolut dem Anlass angemessener Gottesdienst. Zielpublikum erreicht mit wirklich geeigneten Mitteln. Und dazu noch Kirchenferne in überraschender Tonlage angesprochen.

Auf den Pott setzt uns abends meine Tochter. Ihre »Lichtschwerter« aus der Kirche neben sich malt sie ein Bild. »Guck mal, Mama, das habe ich für Gott gemalt. Weil es heute so schön war bei ihm in der Kirche.« 

Iris Macke