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Mein Sonntag

Ein Stück Pflaumenkuchen mit Sahne auf einem weißen Teller

Wieviel hatte ich für das Wochenende geplant – und dann kam eine Migräne dazwischen. Schon am Freitag hatte sie sich mit großer Müdigkeit angekündigt und mich am Samstag schachmatt gesetzt. Ich sagte alles ab und blieb im Bett. Mit dem einseitigen Kopfschmerz sank auch meine seelische Balance in den Keller. Dafür gibt es sogar einen medizinischen Grund, wie ich von meinem Arzt weiß: Die Migräne stört den Stoffwechsel des Wohlfühlhormons Serotonin. Ich sehe alles etwas schwärzer. Die grauen Wolken am Himmel, die ich durch die Scheiben beobachte, sind in diesen Momenten die untrüglichen Zeichen für den Beginn der kalten und trüben Jahreszeit. Und Ungelöstes, das ich sonst erfolgreich verdränge, kommt ungeschützt nach oben. Am liebsten würde ich ganz auf diese wiederkehrenden Schmerzen verzichten. Doch zum Glück gibt es Medikamente, die sie dämpfen. Und mittlerweile sehe ich auch etwas Gutes darin. Mein Körper zwingt mich zur Ruhe, es sind Tage, in denen ich nicht wie ein Flummi durch die Gegend hüpfe. Ich nehme Dinge in mir wahr, die sonst unter der Oberfläche bleiben. Alles wird wie auf Null gesetzt und ich weiß, nach spätestens 72 Stunden fühle ich mich wieder frisch. Am Sonntag kam ich langsam wieder auf die Beine. Mir fiel ein, dass ich noch Zwetschen im Kühlschrank hatte. Wie kühl und glatt sie sich anfühlten. Und wie gut es tat, den Hefeteig zu kneten. Er ging zwar nicht ganz so gut wie sonst, und die Früchte waren noch recht sauer. Aber am Nachmittag duftete die Wohnung nach dem ersten Zwetschenkuchen des Jahres. Und er schmeckte köstlich.

Sabine Henning