A-
A
A+
Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen ein gutes Benutzererlebnis bieten zu können. Wenn Sie unsere Dienste weiterhin nutzen, gehen wir davon aus, dass Sie damit einverstanden sind. Weitere Informationen VERSTANDEN!

Mein Sonntag

Ein gemütlicher Sonntag im Bett mit Buch und Tee vor einem Fenster.

Foto (c): mashiki/photocase

Freie Zeit am Wochenende! Endlich wieder öfter Luft am Ende der Woche, seit die Kinder selbstständig sind. Doch sobald es Freitagabend ist, spüre ich zwei Seelen in meiner Brust. Die eine ruft danach, sich treiben zu lassen: spontan zu sein, aus dem Takt zu kommen, dem Lustprinzip zu gehorchen. Die andere, pflichtbewusste, zählt die tausend Dinge auf, die geputzt, gewaschen, sortiert, recherchiert und organisiert werden müssen. Und alles scheint zu drängen. Damit wir noch eine schöne Ferienwohnung für den Sommer finden und Tickets für das begehrte Musikfestival ergattern. Zum Glück bin ich nicht die einzige, der es so geht. Meine Freundinnen sind ähnlich hin- und hergerissen. Und am Ende des Wochenendes stellt sich dann oft ein Frustgefühl ein: Einiges ist liegengeblieben – und erholt bin ich auch nicht wirklich.

Und so habe ich mir dieses Wochenende selbst ein Schnippchen geschlagen: Wenn ich so gut darin bin, mir Pflichten zu setzen – wie wäre es, wenn ich mich dazu verpflichte, pflichtlos zu sein? Und durch diese neue Pflicht jedes innere Drängen abwehren kann? Einfach mal nach dem Motto leben: Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf. Weil man aber trotzdem essen muss und schön wohnen will, habe ich am Samstag geputzt und eingekauft, die Betten neu bezogen und zwei Stunden Bürokram erledigt. Und bin mit dem wunderbaren Gefühl der Sonntagserwartung ins Bett gestiegen.

Der Morgen begann mit Ausschlafen und Kaffee im Bett. Zur Kirche kann man auch ungeduscht schlendern, genussvoll durch den stillen Großstadtmorgen. Wieder zuhause ging ich am Wäschekorb vorbei und sagte im Stillen: »Gammelt mal ruhig weiter vor euch hin, ihr Pullis und Socken, heute ist mein Pflichtlos-Sonntag!« Die Staubmäuse auf dem Boden ignorierte ich pflichtschuldigst. Meinem Rechner gönnte ich ebenfalls Ruhe. Ich klönte ausgiebig mit den Kindern und telefonierte mit meiner Schwester, bis uns der Gesprächsstoff ausging. Ein Tag im Bewusstsein, dass alles sein durfte: lachen, weinen, quatschen und ausgelassen sein. Heiter in der Zeit zu sein – welch ein Glück! Manchmal muss man sich selbst überlisten.

Sabine Henning