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Mein Sonntag

Eine Foto des Plattencovers von Rickie Lee Jones und ein Schwarz-Weiß-Bild einer Studentendemonstration.

Am Freitag morgen bekam ich eine Nachricht meiner Freundin.
»Habe gerade Radio gehört. Rickie Lee Jones hat heute ihren 65. Geburtstag. Da musste ich an dich denken ...das ist echt verbunden, mit dir und der Gießen-Epoche. Wie die Zeit vergeht ...«
Geerte und ich haben die ersten Jahre in Gießen studiert, bis ich nach Hamburg zog und sie nach Berlin. Der Song »Chuck E‘s in Love« hat uns in vielen Situationen begleitet.

An diesem Sonntag tauche ich ein in die Gießen-Epoche, höre die Musik und krame alte Fotos heraus. Sehe mich ein Transparent tragen (hatte ich vollkommen vergessen) beim Studentenstreik für »Bildung statt Ausbildung«. Erinnerungen steigen auf: an meine WG ohne Dusche und Tanzabende im Skarabée, einer schummrigen Disko mit Sitzen aus schwarz gestrichenem Sperrholz – die es heute noch gibt, wie ich herausfinde. Mir huscht durch den Kopf wie traurig es sein wird, wenn Rickie Lee Jones irgendwann gegangen ist und die anderen Musikerinnen und Bands, die mein Leben begleitet und geprägt haben. Dann wird die Welt ärmer sein, denke ich und bin ein bisschen wehmütig. Doch das Gute ist: Wenn ich gestorben bin, werden sie alle da sein. Rickie und Sting, die Jungs von Earth Wind & Fire, die Doobie Brothers und James Taylor. Sollte ich vor ihnen gehen, werde ich Igor Strawinsky treffen, Eric Satie und Frank Zappa. Mein Himmel wird nicht voller Geigen hängen, sondern erfüllt sein von coolen Musikanten.

Sabine Henning

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