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Mein Sonntag

Eine blaue Uhr liegt auf einem Tisch, dahinter eine Glasvase mit weißen Blumen.

In unserem Haushalt lebt eine kleine Digitaluhr. Ich glaube tatsächlich, dass sie ein Eigenleben hat. Denn zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten fängt sie an zu piepen. Es ist ein lautes, durchdringendes Piepen. Was hat sie mich schon genervt! Gern unterbricht sie stringente Gedanken im Home Office. Manchmal habe ich mich schon richtig erschrocken – besonders, wenn das Haus ansonsten gerade ganz still war. Richtig gehässig kam mir ihr Piepen dann vor.

Zu ihrem Glück ist uns die Bedienungsanleitung abhanden gekommen, so dass wir die Erinnerungsfunktion nicht ohne Weiteres abstellen können. Sicher fände man eine Anleitung im Internet, aber dazu fehlt meistens die Zeit. Manchmal versuchen wir, sie zu bändigen und drücken wild auf ihre Knöpfe. Aber das führt  nur dazu, dass sie das nächste Mal zu einer ganz anderen Zeit piept. Und dazu, dass man sie an immer wechselnden Plätzen findet. Denn wer sich an ihr versucht hat, legt sie meistens irgendwo ab. Sie scheint allerdings zu wissen, dass unser Leidensdruck nicht zu groß werden darf (nächtliches Piepen wäre für mich so ein Faktor!).

Und überhaupt hat sich meine Beziehung zu ihr vor wenigen Tagen geändert. Da durchdrang ihr erstes »Piep« gerade die Stille, als just in diesem Moment mein Handy neben mir ebenfalls Töne von sich gab. Und eine extrem gute Nachricht brachte. Eine erhoffte, gute Diagnose, die meine Hauptsorge in Luft auflöste. Begleitet vom fröhlichen und Mut machenden Piepen unserer kleinen Digitaluhr.  Seitdem muss ich immer lächeln, wenn sie sich meldet. An diesem Sonntag war es 13 Uhr. Oder nach ihrer Zeit vielleicht schon 14 Uhr? Wahrscheinlich ist ihr das egal. Schließlich ist immer genau die richtige Zeit, um an etwas Schönes zu denken

Iris Macke

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