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Mein Sonntag

Eine Feuerqualle am Strand im Sonnenlicht

Der letzte Urlaubstag. Noch einmal wandere ich den Spülsaum des Meeres an der dänischen Jammerbucht ab. Ich schaue nicht voraus, wie sonst an Arbeitstagen, nicht auf neue Projekte, nicht auf die anstehenden Aufgaben. Meine Augen sind nach unten gerichtet. Noch nicht einmal der nächste Schritt ist im Blick. Ganz bei mir, ganz geerdet. Offenbar habe ich den Perspektivwechsel geschafft, den ich mir für den Urlaub vorgenommen habe.

Erinnerungen werden wach an die ersten Nordseeurlaube. Die Spaziergänge mit meinen Eltern, die mich zuhause so langweilten, waren hier am Meer auf einmal spannend. Der Strand voller Überraschungen: Krebse, tote Fische, Garnelen, manchmal eine Orange. Auch heute finde ich im Sand wieder Attraktionen. Kleine blaue Ohrenquallen zum Beispiel, die sich wie Paperweights zu einer Halbkugel geformt haben. Und dann plötzlich eine Feuerqualle, die ich just in dem Moment sehe, in dem die Sonne zwischen den Wolken hervorbricht und das rote Innere wie einen Rubin zum Leuchten bringt. Was für eine filigrane Schönheit! Am liebsten würde ich sie hochheben und anfassen, aber das lasse ich mal lieber.

Als ich mich später über die Gefährlichkeit der offiziell »Gelbe Haarqualle« genannten Meduse informiere (Berührung schmerzhaft, aber harmlos), erfahre ich auch: Wenn alles ideal läuft im Leben einer Qualle, sie nicht gefressen und nicht an Land gespült wird, kann sie ewig leben. Schon versuchen Wissenschaftler, ihr genetisches Geheimnis auf den Menschen zu übertragen. Das wäre doch mal eine spannende Magazin-Geschichte!

Huch, da bin ich doch wohl schon wieder im Arbeitsmodus.

Frank Hofmann