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Mein Sonntag

Eine Betonwand mit den rot aufgesprühten Symbolen Kreuz=Herz.

Kreuz = Herz! Das Grafitto stach mir sofort ins Auge. Jemand hat es in Knallrot auf die Mauer an meinem Sonntagsspazierweg gesprüht. Auf dem Beton prunken noch andere großformatige Grafitti – wie etwa LANGWEILIG und Partners in Crime. Aber dieses war neu! Und neu kam mir auch die Kombination vor: Kreuz = Herz. Klar: Die Kombination von Kreuz, Herz und Anker, als Symbole für Glaube, Liebe und Hoffnung, habe ich vor Augen ­– als Tattoo, Kettenanhänger oder Grabschmuck. Aber Kreuz, das Zeichen des Leidens = Herz, das Zeichen der Liebe – die Kombination in Form einer Gleichung, das hatte ich noch nie gesehen. Und das empfand ich auch theologisch als eine steile These.

Dann dachte ich an die letzten Tage und Stunden Jesu. Wie er in seiner Angst im nächtlichen Garten Gethsemane von seinen schlafenden Jüngern vergessen wurde. Dass er von Judas verraten wurde und er doch Brot und Wein brüderlich mit allen teilte. Wie er – schon am Kreuz – seine Mutter der Fürsorge seines Lieblingsjüngers empfahl. Nein, Jesu Liebe war der Angst, der Not, dem Leiden, nicht unterlegen. Als Zeichen der Hoffnung wirkt sie bis heute. Kreuz = Liebe: eine ungewohnte Gleichung. Und eine gute Vorbereitung auf die kommende Passionszeit.

Kai-Uwe Scholz