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Mein Sonntag

Zwei junge Mädchen gehen Arm in Arm durch einen Park.

Ich laufe gerade mit anderen Augen durch die Welt. Der Grund dafür heißt Leah – und ist unsere 17jährige Austauschschülerin aus Chicago. Für drei Wochen lebt sie mit uns. In den ersten Tagen war Leah sehr zurückhaltend. Verständlich, denn sie war noch nie zuvor in Europa und lernt erst seit drei Jahren Deutsch. Und doch bin ich verunsichert. Unsere Tochter Greta war vor einem Dreivierteljahr bei ihr zu Gast. Würde es Leah bei uns genauso gut gefallen wie Greta in Chicago?

Vieles ist in unserer Familie anders: Ich arbeite Vollzeit, wir wohnen in einer Wohnung, nicht in einem Haus, und statt mit dem Auto sind wir meistens mit dem Rad unterwegs. Doch Leah ist hier, um unsere Welt kennenzulernen. Am Sonntag besuchten wir den Gottesdienst. Die Augen meiner Gasttochter ließen mich das Gewohnte anders sehen: Wie wenig Menschen in ihrem Alter, wie wenig Familien und Kinder da waren – und wie ritualisiert alles zuging! Auf dem Weg in ein Café an der Elbe hätte ich Leah am liebsten geschrumpft und in einen Kindersitz verfrachtet. Denn der Fahrradweg war voll und das Radfahren musste für ungeübte Fahrerinnen wie sie eine echte Herausforderung sein. Doch ich sah auch die Menschen, die ausgelassen vor einer Bühne in der Sonne tanzten. Und die vielen entspannt wirkenden Ausflügler, die ihren Sonntag lesend und plaudernd im Café verbrachten. Am Abend umarmte Leah mich überraschend. Ich freue mich darauf, was ich noch alles mit ihr neu entdecken werde.

Sabine Henning