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Mein Sonntag

Jetzt ist Frühling! Ja, na klar, auch weil die Sonne an diesem Sonntag alles gibt. Aber für mich ist auch vor allem deshalb der Winter vorbei, weil so viele Begegnungen in mir nachklingen. Denn an diesem Wochenende war unser Dorf wieder einmal im Ausnahmezustand: Es war Kinderkleidermarkt im evangelischen Kindergarten! Seit fast zehn Jahren helfe ich bei dieser Großveranstaltung zweimal im Jahr mit. Familien bringen ihre nicht mehr benötigten Kindersachen. Wir Helferinnen und Helfer organisieren den Verkauf. Und dafür gehen 20 Prozent des Erlöses an den Kindergarten. Um das alles über die Bühne zu bringen, braucht es unglaublich viele Ehrenamtliche, meist Eltern der Kindergartenkinder. Ich sitze jedes Mal an der Kasse. Zu meinen Kleidermarkt-Anfangszeiten war mir vor allem die Schnäppchenjagd wichtig. Ganze Säcke voller gebrauchter Kleidung habe ich wie einen Schatz nach Hause getragen. Und intensiv nach den besten Schnäppchen geguckt. Denn wer hilft, der darf schon vorab kaufen! Heute suchen unsere Kinder sich ihre Kleider selber aus. Wenige Funde bleiben über. Dafür hat dieses Event im Dorf für mich eine ganz neue Bedeutung: Ich treffe da Menschen, die ich monatelang und manchmal länger nicht gesehen habe. Die ehemalige Kindergärtnerin, die weggezogen ist und trotzdem noch hilft. Eine Bekannte, die selbst schon in unseren Kindergarten gegangen ist und jetzt mit ihrem eigenen Baby kommt. Und eine gute Freundin, die ich seit Wochen nicht mehr getroffen habe. Ein Tag voller Begegnungen und Gesprächen und so manchen Umarmungen. Mir tut es gut, diesen Kleidermarkt in meinen Jahreslauf einzuplanen. Und vielleicht brauchen wir diese ganz eigenen, persönlichen Fixpunkte im Jahr auch genauso wie unsere großen Kirchenjahresfeste. Im Sommer wird unser letztes Kind den Kindergarten verlassen. Im Herbst sitze ich wieder an der Kasse vom Kleidermarkt.

Iris Macke