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Mein Sonntag

Glückskekse auf einer blauen Serviette.

Ich war im Backfieber. Erst vor kurzem hatte ich ein Rezept für Glückskekse entdeckt und dieser regnerische Sonntag war perfekt dafür geeignet, es endlich einmal auszuprobieren. Wenn auch die Sprüche, die man in solchen Keksen vorfindet, nicht immer gefallen, und es eigentlich totaler Quatsch und Aberglaube ist – irgendwie haben Glückskekse etwas an sich, das uns reizt und darauf hoffen lässt, eine sinnvolle Lebensweisheit oder Message in ihnen zu finden.

Das Rezept klang so simpel, dass ich nicht länger darüber nachdachte, kurz meine Haare hochknotete und mit Schüssel und Waage zu hantieren begann: Einfach Zucker, Mehl, weiche Butter, Vanillezucker und eine Prise Salz zu einem homogenen Teig verrühren. Hm, »einfach« war dies schon mal gar nicht... Der Teig wollte nicht so, wie ich es wollte und bröselte sehr. Mit noch mehr Butter klappte die Sache schon besser. Ich stanzte Kreise mit einem Glas aus und legte sie auf ein Backblech und fing an, schöne Sprüche zu suchen. Ein Glückskeks ist ja nur dann ein richtiger Glückskeks, wenn er auch eine verheißungsvolle Botschaft in sich trägt! Ich schaute auf meine Pinnwand, auf der allerlei zu finden ist: »Live life to the fullest« –  lebe das Leben in vollen Zügen –  stand auf einer Postkarte oder »Carpe diem« oder: »Die besten Dinge im Leben sind nicht die, die man für Geld bekommt.« Und dann fiel mir mein Konfirmationsspruch ein: »Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.«

Nachdem ich die Sprüche auf kleine Zettelchen geschrieben hatte, schob ich das Backblech in den Ofen. Das Besondere war, dass die Teigtaler nur knappe fünf Minuten backen sollten, bis sich hellbraune Ränder zeigten und man sie noch weich mit den Botschaften füllen und knicken sollte. Wie ein kleines Kind starrte ich gebannt auf den Ofen, um den richtigen Zeitpunkt abzupassen. Doch nach Ablauf der Zeit war nichts braun – auch nach weiteren fünf Minuten nicht…

Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus: Ich holte meine halbfertigen Kekse aus dem Ofen. Jetzt musste es schnell gehen, brauner Rand hin oder her. So versuchte ich, die heiße, klebrige Masse irgendwie so zu formen, dass der Keks nicht auseinanderbrach, legte die Botschaften in die Talermitte, rollte den Keks zur Hälfte zu und legte ihn quer über den Rand einer Schale – für den besonderen Knick… Ich war leicht aus der Puste, als ich meine Kekse begutachtete. Das Ergebnis sah nicht so aus wie im Backbuch, aber hey: Zwischendurch hatte ich schon ans Aufgeben gedacht, jetzt war ich froh das ich es begonnen hatte. Denn an diesem regnerischen Sonntag lagen 20 Glückskekse mit wertvollen Botschaften zum Verschenken bereit.

Pialotta Müllauer (14) ist Praktikantin bei Andere Zeiten.