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Mein Sonntag

»Es hat eben jeder so sein Hobby …« – meine Mama, wie immer voll diplomatisch.

»Na ja, aber dieses Hobby ist doch wirklich sch…« – meine Tante, irgendwie so gar nicht diplomatisch.

Mein bester Freund lacht, als ich ihm von dieser Diskussion am Kaffeetisch erzähle. Uns beide verbindet die gleiche Leidenschaft – für Pokémon Go. Und das kann nicht jeder nachvollziehen, schließlich sind wir beide schon über 30 Jahre alt und die meisten halten es für ein Kinderspiel.

Aber auch an diesem Sonntag ziehen wir wieder mit unseren Smartphones durch die Stadt, auf der Jagd nach imaginären Monstern. Wir schnacken über die Arbeit, über andere Spieler, über das nächste Turnier.

Was meine Familie nicht wirklich versteht: Ohne dieses Kinderspiel wäre ich in dieser Stadt, in der ich seit dreieinhalb Jahren lebe, wohl nie angekommen. Anfangs bin ich fast jedes Wochenende »geflüchtet« – nach Hause zu meiner Familie oder zu Freunden. In meiner neuen Heimat konnte ich einfach keinen Anschluss finden. Gerade Sonntage waren unerträglich lang.

Darum habe ich angefangen, Pokémon Go zu spielen. Nicht nur, dass es mir langweilige Tage verkürzt hat, über das Spiel habe ich meinen besten Freund kennengelernt und über ihn nach und nach auch andere Menschen aus der Community.

So bin ich letzten Endes doch in dieser Stadt angekommen. Aber in diese Erkenntnis mischt sich ein kleines bisschen Wehmut, denn mich zieht es bald weiter. Vor langweiligen Sonntagen fürchte ich mich diesmal aber nicht. Denn ich weiß jetzt, neue Wege entstehen auch da, wo man sie gar nicht vermutet.

Sophie Rickert