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Mein Sonntag

Eine Weinrebe mit bunten Herzen im Gegenlicht.

In Aussicht des vergangenen Wochenendes zählte ich die Tage rückwärts, bis es dann endlich soweit war: Zwei reitbegeisterte Andere-Zeiten Mitarbeiterinnen, meine Tochter und ich fuhren zum Strandausritt an die Ostsee. Das Wetter war uns gnädig, während des Reitens kam sogar die Sonne durch. Was für ein Geschenk! Mit jedem Atemzug Meeresluft stieg unsere Laune, wir genossen den Galopp an der Wasserkante und die Rückkehr zum Stall durch den maigrünen Wald. Grün, soweit das Auge schauen kann, dachte ich – und sah just in diesem Moment einen Baum voll bunter Blätter, in Rot, Orange, Gelb und Pink…Beschriftete Papierherzen waren es, wie wir beim Näherkommen feststellten.

»Bestimmt eine Art Liebesbaum!« rief ich und dachte an die vielen »Liebesschlösser«, mit denen sich Verliebte an Brücken ein Denkmal setzen. Der Reitlehrer zügelte sein Pferd als er mich hörte, wartete auf uns und erklärte: »Dieser Baum ist ein Wunschbaum. Hier in der Nähe befindet sich eine Reha-Klinik für Mütter, die an Brustkrebs erkrankt sind. Ihre Kinder haben hier einen Ort, an dem sie ihre Herzenswünsche formulieren und an den Baum hängen können.« Als bleibendes Gebet, das eine Weile lang sichtbar bleibt.

»Zum Glück hast Du keinen Brustkrebs, Mama. Aber können wir nicht trotzdem einen Wunschbaum gestalten?«, hieß es dann zuhause am Sonntag. Buntpapier hatten wir noch, die Herzen waren schnell ausgeschnitten. Ein Gebet, ein Wunsch: Alles durfte darauf Platz finden, nur nichts Materielles. Und jede und jeder sollte entscheiden können, ob das Herz geschlossen aufgehängt wird, damit der Text innen ein Geheimnis bleiben kann – oder geöffnet. Die Familienmitglieder wünschten sich Frieden, mehr Verständnis untereinander, Klarheit für den eigenen Weg. Ein Herz blieb gefaltet. Die Gebete schmücken jetzt unseren Weinstock.

Sarah Seifert