A-
A
A+
Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen ein gutes Benutzererlebnis bieten zu können. Wenn Sie unsere Dienste weiterhin nutzen, gehen wir davon aus, dass Sie damit einverstanden sind. Weitere Informationen VERSTANDEN!

Mein Sonntag

Der Weg über einen Fußballplatz kann sehr weit sein. Das habe ich vor einigen Wochen gelernt. Am anderen Ende lag mein Mann Simon – beim Kopfball zusammengeprallt mit einem Gegenspieler. »Starke Verletzungen am Kopf und der Fuß ist total hinüber.« So hatten seine Mitspieler mich begrüßt, als ich – schnell herbeigerufen – am Spielfeldrand ankam. In dem Moment begann mein Kopfkino. Schwere Verletzungen am Kopf? Wird er ansprechbar sein? Heilt das wieder? Und was ist mit dem Fuß? Ab da fiel mir jeder Schritt schwer, von jetzt auf gleich schnürte mir Angst die Kehle zu. Gegangen bin ich trotzdem, die letzten Meter sogar ziemlich schnell.

Heute hat Simon gekocht. Wir genießen sein Sonntagsessen, es gibt chinesisch, mein Lieblingsessen. Nachdem er wochenlag nur mit hoch gelegtem Bein zusehen konnte, hat er sich heute nichts aus der Hand nehmen lassen. Er humpelt noch, läuft aber meist ohne Krücken. Von der Platzwunde im Gesicht sieht man kaum noch etwas. Wir reden über die vergangenen Wochen und über den Unfall. Ob der für irgendwas gut war? Vielleicht dafür: Bei meinem Gang über den Fußballplatz habe ich gespürt, dass Liebe stärker ist als Angst. Angst hat gebremst. Liebe hat gezogen. Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, heißt es in der Bibel. Aber die Liebe ist die stärkste unter ihnen. Stimmt.  

Iris Macke