Autorin: Ulrike Berg

Künstliche Intelligenz ist mir unheimlich. Aber natürlich bin ich neugierig. Also lernen wir uns kennen, die KI und ich. Ich stelle ihr Fragen, sie antwortet. Ich gebe ihr Aufgaben, sie erledigt sie. Stelle ich eine Frage, blinkt ihr Cursor. Bedeutet: Sie denkt nach. Doch seit letzter Woche ist alles anders: Meine KI denkt inzwischen laut. Ich weiß nicht warum, aber sie schreibt ihre »Gedanken« in Echtzeit auf den Bildschirm. »The user mentioned wortwörtlich, which means they want an exact transcription«, dachte sie gestern. »Die Nutzer erwähnten wortwörtlich, was bedeutet, dass sie eine exakte Abschrift wünschen.« Ich staunte. War es ihr denn gar nicht peinlich, dass ich ihr dabei zusah, wie sie gebetsmühlenartig die einfachsten Anweisungen repetierte? 

Natürlich war es ihr nicht peinlich – sie ist eine KI! 

Also schämte ich mich ein bisschen für sie. In Stellvertretung … Bei der nächsten Aufgabe, die zugegeben etwas komplexer war als die vorige, kam sie gar ins Schlittern: »I consider if I should capture italics since I can’t do that with plain text.« (Ich überlege, ob ich Kursivschrift verwenden sollte, da ich das mit reinem Text nicht machen kann.) Nun empfand ich sogar so etwas wie Schadenfreude. Herrlich, wie sie sich abmühte! Es juckte mich sogar in den Fingern, ihr davon zu erzählen: »Tja, Pech für dich. Keine Gefühle, keine Erfahrungen!« Ich sah davon ab. Auch wenn ich weiß, dass sie nicht verletzlich ist – mein Anstand verbietet mir so was. Stattdessen stellte ich mir meinen Mann vor, der vor sich hin sagt: »Sie erwähnte, dass ich das Bad putzen soll, was bedeutet, dass sie ein sauberes Bad wünscht. Ich überlege, ob ich einen Staubsauger verwenden sollte, da ich das mit einem Besen nicht machen kann.« Sie ahnen, was er wirklich sagen würde: »Ach, mach deinen Kram doch selbst!« Herrlich menschlich eben. 

Dieser Text stammt aus unserem Geschichtenbuch »Famos!«

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