Gesegnete Reise!

Autor: Gereon Alter

Die Gemeinde hat zur Fahrzeugsegnung vor den Sommerferien eingeladen. Viele sind gekommen und haben ihre Autos mitgebracht. Frisch gewaschen und poliert stehen sie da. Der Pastor nimmt das Aspergill zur Hand, um die Fahrzeuge mit Weihwasser zu besprengen. Und da passiert es: Er holt aus, und der eiserne Weihwassersprenger entgleitet ihm. In einem hohen Bogen fliegt er in Richtung der Autos und schlägt mit einem lauten Knall auf einer der Motorhauben ein.


Totenstille. Bleiche Gesichter. Das Aspergill ist auf den Boden gerollt und hat eine tiefe Beule auf der hochglanzpolierten Haube hinterlassen. Der Fahrzeugbesitzer holt tief Luft. Der Pastor schaut peinlich berührt zu Boden. Und die Menge weiß nicht, wie ihr geschieht. Da plötzlich schallt es aus der zweiten Reihe: »Das kriegen wir wieder hin! Bringen Sie ihn morgen in unsere Werkstatt.«  Noch während sich alle umschauen, um herauszufinden, wer sich da zu Wort gemeldet hat, ruft ein anderer in die Menge: »Wir haben eine Versicherung für sowas.« Offenbar ein Kirchenvorsteher. Ein leises Glucksen ist zu hören. Dann ein etwas lauteres. Und schließlich fangen alle an zu lachen. Der Fahrzeugbesitzer geht auf den Pastor zu, und der lädt diesen sogleich auf ein frisch gezapftes Bier ein.

 

Der Segen nimmt der Panne das Gewicht


So ist das mit dem Reisesegen. Am Anfang des Urlaubs steht die große Hoffnung, dass alles glatt gehen möge: die Anreise, das Miteinander in der Familie, das Wetter und die geplanten Ausflüge … Das perfekte Urlaubserlebnis soll es werden! Deshalb kommen so viele, wenn ein Reisesegen angeboten wird.


Nur ist im Leben leider nichts sicher. Und daran ändert auch ein Reisesegen nichts. Es geht immer irgendetwas schief. Mal streikt der Motor, dann wird das Kind krank und wieder ein anderes Mal ist das Hotel nicht so, wie es eigentlich hätte sein sollen. Nichts in diesem Leben ist per-fekt. Nicht einmal ein Reisesegen.


Wozu aber brauchen wir ihn dann? – Damit er uns ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Ein Lächeln darüber, dass eben manchmal etwas aus dem Ruder läuft. Der Segen nimmt der Panne das Gewicht. Er tut es, indem er uns daran erinnert, dass nur einer ganz perfekt ist: der im Himmel. Und dass wir es deshalb nicht sein müssen. Und er erinnert uns daran, dass wir im Falle des Falles nicht allein dastehen.


Und das sollte doch eigentlich des Segens genug sein für einen entspannten und zuversichtlichen Aufbruch in den Urlaub, oder? Eine gesegnete Reise Ihnen!

Artikel aus: Magazin zum Kirchenjahr 2/2024. 
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