Unbekümmertheit
Autorin: Kirsten Westhuis
Zur Mittagszeit im Linienbus. Die heiße Feriensonne knallt auf die Scheibe und die Klimaanlage hat den Geist aufgegeben. Schwitzend und träge schaue ich aus dem Fenster. Stopp an der nächsten Haltestelle. Mein Blick gleitet über die Häuserfassade. Mehrgeschossige Wohnungen. Balkone mit Netzen, die Tauben fernhalten sollen. Dann plötzlich, auf einem Balkon im dritten Stock, regt sich was. Ein Mann und eine Frau, längst erwachsen, mindestens Mitte vierzig, stecken seltsam aufgeregt die Köpfe zusammen. Der Mann hebt eine Wasserspritze über die Balkonbrüstung und zielt auf einen Fußgänger unten auf dem Gehweg. Wassertropfen spritzen. Blitzschnell ducken sich die beiden Köpfe wieder. Der Fußgänger, ein Typ in schwarzem T-Shirt, Anfang zwanzig, fette Kopfhörer auf den Ohren, fasst sich an den Arm. Streicht Wasser ab. Schaut sich um. Nach hinten. Nach oben. Verdattert. Ungläubig. Der Bus fährt weiter und damit auch die
einzige Zeugin dieser erfrischenden Frechheit.
Dieser Text stammt aus dem