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Trinitatis

Als Augustinus eines Tages am Mittelmeerstrand von Tagaste entlang schlendert und mal wieder über die Trinität grübelt, sieht er ein Kind, das mit einer kleinen Muschel Meerwasser in ein Loch schüttet. »Was machst du da?«, fragt er. – »Das siehst du doch«, entgegnet das Kind. »Ich schöpfe das Meer in dieses Loch.« – »Du Narr«, spottet der Bischof, »das ist doch vollkommen unmöglich!« Darauf das Kind: »Aber du bildest dir ein, dass du das Geheimnis der Dreieinigkeit mit deinem Kopf erfassen kannst?«

Diese wahre oder gut erfundene Geschichte von dem großen Kirchenvater (354-430) zeigt: Gott ist immer größer, weiter und anders, als wir ihn uns denken können. Das ist auch eine christliche Glaubenswahrheit. Von biblischen Zeiten bis heute erleben Menschen, wie vielfältig Gott handelt: Er wirkt als schöpferische und erhaltende Kraft, in Liebe und Hingabe als Mensch unter Menschen, als tröstende Mutter, vergebender Vater, als Rückenwind und Kraftquelle. Er erschafft Himmel und Erde, er liebt und leidet für die Menschen, er sammelt und stärkt sein Volk – mal Vater genannt, mal Sohn, mal Heiliger Geist.

Dreieinigkeit lautet die Lösung der Theologen bei dem Versuch, das vielfältige Wirken Gottes auf einen Nenner zu bringen. Lateinisch: Trinität. Die Trinitätslehre wurde zwischen 325 und 675 auf verschiedenen kirchlichen Zusammenkünften, den Konzilen und Synoden, entwickelt. Sie prägt auch unser Glaubensbekenntnis. Doch kann auch die Gleichung der Dreieinigkeit lediglich ein Gleichnis sein, mit dem das Geheimnis Gottes nur unzureichend umrissen ist. Denn der lebendige Gott lässt sich nicht von Menschen in dogmatische Gebäude einmauern. Deus semper maior – Gott ist immer größer: so hat es Ignatius von Loyola im 16. Jahrhundert auf den Punkt gebracht.

Der erste Sonntag nach Pfingsten, Trinitatis oder Dreifaltigkeitsfest genannt, der die zweite Hälfte des Kirchenjahrs einläutet, erinnert seit 1334 an dieses offene Geheimnis.