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Thema »Lyrik - Gedichte - Aphorismen.......«

Lyrik - Gedichte - Aphorismen.......

28.02.2020 21:13
Lichtblick

 


Gerne möchte ich einen Lyrikpfad eröffnen.

Mascha Kaléko. Rezept.

Jage die Ängste fort
und die Angst vor den Ängsten.
Für die paar Jahre
wird wohl alles noch reichen.
Das Brot im Kasten
und der Anzug im Schrank.

Sage nicht mein.
Es ist dir alles geliehen.
Lebe auf Zeit und sieh,
wie wenig du brauchst.
Richte dich ein.
Und halte den Koffer bereit.

Es ist wahr, was sie sagen:
Was kommen muss, kommt.
Geh dem Leid nicht entgegen.
Und ist es da,
sieh ihm still ins Gesicht.
Es ist vergänglich wie Glück.

Erwarte nichts.
Und hüte besorgt dein Geheimnis.
Auch der Bruder verrät,
geht es um dich oder ihn.
Dein eignen Schatten nimm
zum Weggefährten.

Feg deine Stube wohl.
Und tausche den Gruss mit dem Nachbarn.
Flicke heiter den Zaun
und auch die Glocke am Tor.
Die Wunde in dir halte wach
unter dem Dach im Einstweilen.

Zerreiss deine Pläne. Sei klug
und halte dich an Wunder.
Sie sind lang schon verzeichnet
im grossen Plan.
Jage die Ängste fort
und die Angst vor den Ängsten.


Eine gesegnete Fastenzeit wünscht
Lichtblick


 

Meine Seele......

28.02.2020 21:24
Lichtblick

 


Meine Seele hat es eilig.

Ich habe meine Jahre gezählt und festgestellt, dass ich weniger Zeit habe, zu leben, als ich bisher gelebt habe.
Ich fühle mich wie dieses Kind, das eine Schachtel Bonbons gewonnen hat: die ersten essen sie mit Vergnügen, aber als es merkt, dass nur noch wenige übrig waren, begann es, sie wirklich zu genießen.
Ich habe keine Zeit für endlose Konferenzen, bei denen die Statuten, Regeln, Verfahren und internen Vorschriften besprochen werden, in dem Wissen, dass nichts erreicht wird.
Ich habe keine Zeit mehr, absurde Menschen zu ertragen , die ungeachtet ihres Alters nicht gewachsen sind. Ich habe keine Zeit mehr, mit Mittelmäßigkeiten zu kämpfen. Ich will nicht in Besprechungen sein, in denen aufgeblasene Egos aufmarschieren. Ich vertrage keine Manipulierer und Opportunisten. Mich stören die Neider, die versuchen, Fähigere in Verruf zu bringen, um sich ihrer Positionen, Talente und Erfolge zu bemächtigen.
Meine Zeit ist zu kurz um Überschriften zu diskutieren. Ich will das Wesentliche, denn meine Seele ist in Eile. Ohne viele Süßigkeiten in der Packung.

Ich möchte mit Menschen leben, die sehr menschlich sind. Menschen, die über ihre Fehler lachen können, die sich nichts auf ihre Erfolge einbilden. Die sich nicht vorzeitig berufen fühlen und die nicht vor ihrer Verantwortung fliehen. Die die menschliche Würde verteidigen und die nur an der Seite der Wahrheit und Rechtschaffenheit gehen möchten. Es ist das, was das Leben lebenswert macht.
Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die es verstehen, die Herzen anderer zu berühren. Menschen, die durch die harten Schläge des Lebens lernten, durch sanfte Berührungen der Seele zu wachsen.

Ja, ich habe es eilig, ich habe es eilig, mit der Intensität zu leben, die nur die Reife geben kann.
Ich versuche, keine der Süßigkeiten, die mir noch bleiben, zu verschwenden. Ich bin mir sicher, dass sie köstlicher sein werden, als die, die ich bereits gegessen habe.
Mein Ziel ist es, das Ende zufrieden zu erreichen, in Frieden mit mir, meinen Lieben und meinem Gewissen.
Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eins hast.

Nachtrag:

Durch einen lieben Kommentar bin ich darauf aufmerksam gemacht worden, dass der von mir genannte Autor Mario de Andrade, nicht der Autor dieses Gedichtes sein könnte, sondern Ricardo Gondim.

Hinweis der Kommentatorin in ihrem Text: „Ein Text, der mich so ​berührt, heißt „Meine Seele hat es eilig“. Wenn er auch oft ​Mário de Andrade zugeschrieben wird, soll sein wahrer Autor der brasilianische Schriftsteller Ricardo Gondim​ sein.

 

28.02.2020 21:42
Dorit

 


I c h l e b e m e i n L e b e n


Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.

Rainer Maria Rilke

 

28.02.2020 21:51
Okka

 

Den Umfang einer Wolke mißt
Kein Mensch. Weil sie nicht rastet,
Noch ihre Freiheit je vergißt. –
Ich glaube: Keine Wolke ist
Mit Arbeit überlastet.

Joachim Ringelnatz

Ringelnatz mag ich- meine Freiheit in der Tretmühle des Arbeitsalltages nicht zu vergessen, lädt er mich ein und in Bewegung zubleiben- mit dem Wind fortzuziehen manchmal
Okka

 

29.02.2020 06:35
geasl

 

Liebe Lichtblick, schøn daß Du wieder diesen Pfad erøffnet hast & Deine Schätze mit uns teilst.
Liebe Okka, diesen Spruch von Ringelnatz kannte ich noch gar nicht. :-) Ich finde mich da ebenso wieder & empfinde Arbeit als wohltuend, als Rhythmus unter der Sonne, der mich begleitet & auffängt & mir vieles zurück gibt. Danke auch für Deine ergänzenden Worte.
Ich hab ein Gedicht dabei, welches denke ich auch gut zur Fastenzeit paßt & alle an ihre laute innere Stimme erinnern soll, daran auch, mutig ein Lied anzustimmen & beherzt in die Hände zu klatschen.


Der Vogel Angst 

hat sich ein Nest gebaut 

in meinem Innern 


und sitzt nun manchmal da 

und manchmal 

ist er lange weg 


oft kommt er nur 

für einen Augenblick 

und fliegt gleich wieder weiter 


dann aber gibt es Zeiten 

da hockt er tagelang 

da drin 

mit seinem spitzen Schnabel 

und rührt sich nicht 

und brütet 

seine Eier aus. 


(Franz Hohler)


Liebe Grüße von geasl

 

29.02.2020 08:35
Lichtblick

 

Liebe Lichtblick, schøn daß Du wieder diesen Pfad erøffnet hast & Deine Schätze mit uns teilst.
Liebe Okka, diesen Spruch von Ringelnatz kannte ich noch gar nicht. :-) Ich finde mich da ebenso wieder & empfinde Arbeit als wohltuend, als Rhythmus unter der Sonne, der mich begleitet & auffängt & mir vieles zurück gibt. Danke auch für Deine ergänzenden Worte.
Ich hab ein Gedicht dabei, welches denke ich auch gut zur Fastenzeit paßt & alle an ihre laute innere Stimme erinnern soll, daran auch, mutig ein Lied anzustimmen & beherzt in die Hände zu klatschen.


Der Vogel Angst 

hat sich ein Nest gebaut 

in meinem Innern 


und sitzt nun manchmal da 

und manchmal 

ist er lange weg 


oft kommt er nur 

für einen Augenblick 

und fliegt gleich wieder weiter 


dann aber gibt es Zeiten 

da hockt er tagelang 

da drin 

mit seinem spitzen Schnabel 

und rührt sich nicht 

und brütet 

seine Eier aus. 


(Franz Hohler)


Liebe Grüße von geasl


Danke für dieses Gedicht - habe ich mir gleich notiert.
Liebe Grüsse
Lichtblick

 

29.02.2020 09:13
Lara

 

Danke, liebe Lichtblick für diesen Pfad. Ich bin das erste Mal hier dabei, wahrscheinlich eher lesend, manchmal wahrscheinlich fragend. Für mich war Lyrik bislang eine Nebensache. Ich möchte mich in den Wochen bis Ostern mehr damit befassen. geasl hat mir Appetit gemacht :-)
Den Pfad, auf dem ich jahrelang zu Hause war, den wird es wohl heuer nicht geben. Mir tut das leid und ich denke an Schaf. Und ich versuche etwas ganz anderes.

Liebe geasl, danke für das Gedicht. Ich finde mich darin wieder. Total.

 

Der gute alte Gethe

29.02.2020 09:25
simchat

 


Ach, was soll der Mensch verlangen?
Ist es besser, ruhig bleiben?
Klammernd fest sich anzuhangen?
Ist es besser, sich zu treiben?
Soll er sich ein Häuschen bauen?
Soll er unter Zelten leben?
Soll er auf die Felsen trauen?
Selbst die festen Felsen beben.

Eines schickt sich nicht für alle!
Sehe jeder, wie er's treibe,
Sehe jeder, wo er bleibe,
Und wenn er steht, dass er nicht falle!

 

29.02.2020 10:57
Juliane

 


Beobachtung

In meinem
Glaubensgärtchen hinterm Haus,
zwischen den geheimnisvollen Rosen,
gedeiht neuerdings
und prächtig, wie man sieht,
dublum simplex,
der ganz gewöhnliche Zweifel.

Lothar Zenetti

 

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